Kopftuch an türkischen Schulen: Schritt zur Islamisierung

Kommentar24. September 2014, 18:04
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Das türkische Schulwesen wird sich wohl schwerlich verbessern

Staatschef Recep Tayyip Erdogan, die übermächtige Figur der türkischen Politik, hat es schon vor Jahren unverblümt gesagt: Das Heranziehen einer "religiösen Generation" sei selbstverständlich das Ziel seiner Regierung. Zwölf Jahre sind Erdogan und seine Männer von der konservativ-muslimischen AKP nun an der Macht. Die anfängliche Liberalisierung, das Bemühen um eine Gleichgewichtung zwischen Säkularen und muslimischer Glaubenspraxis im Land, ist längst einer zielgerichteten sunnitischen Islamisierung gewichen.

Der Einzug des Kopftuchs in den türkischen Schulen ist ein großer fataler Schritt auf diesem Weg. Sicher: Manchen konservativ vernagelten Familienvätern auf dem Land mag es nun leichter fallen, ihre Töchter länger auf der Schule zu lassen. Fromm erzogene Mädchen mögen es angenehmer finden, mit Kopftuch in den Unterricht zu gehen. Doch die Islamisierung wird das türkische Schulwesen wohl schwerlich verbessern; Koran auswendig zu lernen und jahrein, jahraus weiter Kreuzerln in Multiple-Choice-Tests zu machen ist kaum das Rezept für eine Volkswirtschaft, die es einmal unter die ersten zwölf dieser Welt schaffen will.

Aber natürlich ist die Islamisierung der Schulen am Ende auch politisches Kalkül: Erdogan will "seine" Schule fördern - die Imam-Hatip-Schulen. Die Nachhilfeschulen seines muslimischen Rivalen Fethullah Gülen lässt er schließen und dessen Netzwerk im Land bekämpfen. (Markus Bernath, DER STANDARD, 25.9.2014)

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