Nach Enthauptung: Frankreich will Kampf gegen IS-Miliz fortführen

25. September 2014, 10:44
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Ein 55-jähriger Franzose wurde von Jihadisten in Algerien ermordet - Französischer Verteidigungsminister kann sich Ausweitung der Luftangriffe auf Syrien vorstellen

Algier/Paris - Ein von Jihadisten in Algerien entführter französischer Tourist ist von diesen ermordet worden. Das bestätigte Frankreichs Präsident François Hollande am Mittwoch am Rand der UN-Vollversammlung in New York.

Die Terrorgruppe Jund al-Khilafa (Soldaten des Kalifats), ein Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), veröffentlichte ein Video der Tat im Internet. Zunächst hatte die Jihad-Beobachterplattform SITE über das Video berichtet. Der verschleppte Franzose wurde wie drei IS-Geiseln zuvor enthauptet.

Hollande: Luftangriffe werden fortgesetzt

Hollande zeigte sich entsetzt über die Tat. Der 55-jährige Bergführer sei "feige und brutal ermordet" worden, sagte Hollande am Mittwoch in New York. "Hervé Gourdel ist tot, weil er Franzose war, weil sein Land - Frankreich - den Terrorismus bekämpft."

Das bestärke ihn aber in seiner Entschlossenheit, betonte Hollande: "Wir werden den Kampf gegen den Terrorismus überall fortsetzen." Die Luftangriffe auf die IS im Irak würden so lange wie nötig fortgeführt. Für Donnerstag berief Hollande einen Verteidigungsrat ein.

Beteiligung Frankreichs in Syrien nicht ausgeschlossen

Nach den Worten von Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian könnte sich Frankreich nun auch in Syrien an den Luftangriffen beteiligen. "Die Frage stellt sich", sagte Le Drian am Donnerstag im RTL-Radio. Zwar habe sein Land bereits wichtige Aufgaben im Kampf gegen IS im Irak. Man müsse aber sehen, wie sich die Lage in den kommenden Tagen entwickele.

Gourdel war am Sonntag bei einer Wanderung in einem Nationalpark in der Bergregion Kabylei verschleppt worden. Am Montagabend drohten die Islamisten mit seiner Ermordung, sollte Frankreich nicht binnen 24 Stunden seine Luftangriffe im Irak einstellen. Die Regierung machte aber deutlich, dass sie den Forderungen nicht nachgeben werde.

Aufruf zur Ermordung von Franzosen und US-Bürgern

Frankreich hatte sich Ende vergangener Woche als erstes europäisches Land den US-Luftangriffen auf IS-Stellungen im Irak angeschlossen. Am Montag rief die IS zur Ermordung von Bürgern der Länder auf, die sich an der internationalen Koalition gegen die Jihadisten beteiligen. Explizit nannte die Organisation dabei Franzosen und US-Bürger.

Mit der Ermordung des Franzosen erreicht der IS-Terror erstmals Regionen weitab des Irak und Syriens. Algerien liegt 3.000 Kilometer westlich von Syrien. Die drei bisher ermordeten Geiseln waren allesamt in Syrienverschleppt worden. (APA, 24.9.2014)

  • Hervé Gourdel mit seinen Entführern nach seiner Verschleppung.
    foto: reuters

    Hervé Gourdel mit seinen Entführern nach seiner Verschleppung.

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