Im Zirkus der komponierten Witze

24. September 2014, 17:23
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Das VBW-Orchester mit Aleksey Igudesman

Wien - Den unvergesslichsten Applaus gab es für Geiger, Komponist und Dirigent Aleksey Igudesman im Raimundtheater für seine Polka Without Notes. Das lag mit Sicherheit an der Qualität des ehrenwerten Werkes. Nicht weniger reizvoll (als der Sound der Stille) war jedoch der gestische Dirigiereinsatz beim Gestalten der nicht vorhandenen Noten. Wobei: Auch das spaßige Einverständnis, das zwischen dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien und dem Maestro herrschte, berückte. Ob hier Großes - im Sinne zukünftiger Kooperationen - entstand, weiß nur der Wind. Mit Sicherheit jedoch markiert der Abend den Beginn eines Orchesterprojekts abseits der Musicaldienste.

Ab 10. Oktober wird das VBW-Orchester im Volkstheater Maria Bill beim Programm Die sieben Todsünden begleiten. Und am 30. November (bei der Rote-Nasen-Gala) im Volkstheater wird man u. a. Rolando Villazón, Angelika Kirchschlager, Konstantin Wecker, Maya Hakvoort und Maria Happel assistieren. Insofern war das Zusammentreffen mit dem Allrounder Igudesman auch eine willkommene, fordernde Aufwärmübung.

Der Entertainer ist nicht nur verbal im skurrilen Pointenbereich unterwegs ("Was ich an Wien besonders schätze, ist Venedig!"). Auch seine Kompositionen, so sie nicht sentimental oder melancholisch tönen, dürfen lachend konsumiert werden. Sie schöpfen Pointen aus Stilcollagen, dissonanten Einsprengseln und rhythmischer Unberechenbarkeit. Da muss ein Orchester schon konzentriert bleiben.

Igudesman selbst hat mit der Dreifachbelastung Humorist/Instrumentalist/Dirigent kein Problem. Deftige Geigenriffs werden mitunter tanzend absolviert; und während die Finger übers Griffbrett flirren, bleibt doch Kraft, den großen und den kleinen Gästen lustige Gesichter zuzuwerfen. Auch das ist Virtuosität. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 25.9.2014)

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