WM-Zeitfahren: Wiggins radelt Martin davon

24. September 2014, 16:33
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Brite verhindert vierten WM-Erfolg des Deutschen en suite - Zoidl 27.

Ponferrada - Durchaus überraschend hat Bradley Wiggins bei der Rad-WM in Ponferrada seinen erstes Regenbogen-Trikot erobert. Der britische Olympiasieger schnappte am Mittwoch dem deutschen Tony Martin, der in den vergangenen drei Jahren den Titel geholt hatte, den Sieg im Zeitfahren weg. Bronze ging an den Niederländer Tom Dumoulin. Riccardo Zoidl rollte als 27. über die Ziellinie, Matthias Brändle wurde 35.

Wiggins benötigte für die 47,1 Kilometer 56:25,52 Minuten und hatte damit im Ziel auf der Avenida de Asturias einen Vorsprung von 26 Sekunden auf Martin, der als haushoher Favorit ins Rennen gegangen war und damit vorerst auch die Einstellung des Rekordes von Fabian Cancellara verpasste, der viermal das WM-Zeitfahren gewonnen hatte. Dumoulin lag 41 Sekunden hinter ihm.

"Was soll ich sagen?"

Erst Minuten später realisierte Wiggins seinen Triumph, nachdem er völlig verausgabt auf dem Boden lag. Für den Briten ist es der erste WM-Triumph, nachdem er 2011 und 2013 Silber gewonnen hatte. "Was soll ich sagen? Mein wahrscheinlich letztes WM-Zeitfahren auf der Straße und dann Gold! Im schwierigen Finale hatte ich noch Benzin im Tank. Das hat vielleicht den Ausschlag gegeben", sagte der 34-jährige Sir, dessen nächstes großes Ziel im kommenden Jahr der Stundenweltrekord sein wird. Den Angriff auf die gerade von dem Deutschen Jens Voigt aufgestellte Bestmarke hatte er noch vor dem Rennen angekündigt.

Für Martin lief vorerst alles nach Plan. Bei der ersten Zwischenzeit nach 12,2 Kilometern hatte der 29-Jährige noch einen hauchdünnen Vorsprung von 4,14 Sekunden auf den Briten, doch am zweiten Zeitmesspunkt bei Kilometer 23,2 lag plötzlich Wiggins mit zwei Sekunden vorn. Bei der dritten Zwischenzeit waren es gar neun Sekunden, ehe das Finale furioso mit zwei Anstiegen begann. Dort konnte Wiggins sogar noch zulegen.

Nächster Rückschlag

"Ich habe es bereits die letzten Tage gefühlt. Ich bin keine Maschine. Ich habe mich müde gefühlt und muss analysieren, warum das so war", haderte Martin. Für den Deutschen war es der nächste Rückschlag in Ponferrada, nachdem er beim Mannschaftszeitfahren mit dem Omega Pharma-Quickstep-Team nur den dritten Platz belegt hatte. Bei einem längeren Zeitfahren war es für Martin die erste Niederlage seit über einem Jahr. Damals hatte ihn Cancellara bei der Vuelta besiegt, der Schweizer trat mit Blick auf das Straßenrennen am Sonntag diesmal erst gar nicht zum Duell an.

Die beiden österreichischen Starter konnten sich nicht im Vorderfeld platzieren. Zoidl war dennoch zufrieden - zwar nicht so ganz mit Platz 27, seinen Rückstand von 3:15,71 Minuten bezeichnete der Oberösterreicher aber als "gering". Zoidl verbesserte sich von Zwischenzeit zu Zwischenzeit und schob sich von den Rängen 39, 33, 28 auf Platz 27 vor. "Eigentlich lief es ganz gut. Nach einer halben Stunde hatte ich zwar einen kleinen Einbruch, aber das schwere Finale war wieder super", sagte er im Ziel. Seine ganze Konzentration gilt nun dem Straßenrennen am Sonntag.

Weniger gut lief es für Brändle, der sich speziell auf das Zeitfahren vorbereitet hatte. Nachdem er bei den ersten beiden Zwischenzeiten noch auf dem zwölften Zwischenrang lag, rutschte er schlussendlich auf den 35. Platz ab. "Die ersten 30 Kilometer waren Top, die letzten zwölf ein richtiger Flop. Als ich in den Berg reinfuhr, hat es mir regelrecht die Füße zugemacht. Ich dachte schon an einen Defekt, aber es waren meine Wadln", meinte der Vorarlberger konsterniert. "Ich habe heute alles probiert, aber es hat zum Schluss nichts mehr gepasst. Das war eine neue Erfahrung heute für mich, wenn auch keine gute." (APA, 24.9.2014)

WM-Zeitfahren der Männer (47,1 km):

1. Bradley Wiggins (GBR) 56:25 Minuten
2. Tony Martin (GER) +0:26,23 Minuten
3. Tom Dumoulin (NED) 0:40,64
4. Wasil Kirjenka (BLR) 0:47,92
5. Rohan Dennis (AUS) 0:57,74
weiter:
27. Riccardo Zoidl (AUT) 3:15,71
35. Matthias Brändle 3:39,69

  • Sir Bradley Wiggins entthront Tony Martin.
    foto: ap/ daniel ochoa de olza

    Sir Bradley Wiggins entthront Tony Martin.

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