Geier-Fütterung lockt unerwünschte Gäste an

24. September 2014, 15:29
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In Südafrika haben Hyänen und Schakale die neuen Futterquellen für sich entdeckt - Forscher raten zu neuer Strategie

Nottingham - Sogenannte "Geierrestaurants" sind ein weltweit eingesetztes Mittel, um die Bestände bedrohter Spezies aus dieser Vogelgruppe zu erhalten. Bei einem solchen "Restaurant" handelt es sich schlicht und einfach um einen Kadaver, der den Tieren hingelegt wird; eine Zusatzfütterung, wenn sich in einer Region nicht genug Aas finden lässt, um eine stabile und wenigstens einigermaßen große Population am Leben zu halten.

Die Methode hat sich oft bewährt - aber nicht immer. In Südafrika stößt sie an ihre Grenzen, wie Forscher im "African Journal of Ecology" berichten. Dort sind nämlich noch andere Aasfresser unterwegs, und die bedienen sich an diesen Fütterungsplätzen zu Lasten der Geier: Hyänen und - noch schlimmer - Schakale. Denn während man mit Hyänen wenigstens Tiere durchfüttert, die ihrerseits bedroht sind, sind Schakale häufig und gelten als lästige Schädlinge.

Nicht eingeladen und dennoch gerne da

Die Studie von Forschern um Richard Yarnell von der Nottingham Trent University erstreckte sich über sechs Jahre, wie die BBC berichtet. Die Zahlen der verschiedenen Aasfresserarten rechneten sie aus den Kotspuren hoch, die die Tiere an zwei Fütterungsplätzen in Südafrika hinterließen.

Der Trend war unverkennbar: Nach der Eröffnung eines Geierrestaurants im Mankwe Wildlife Reserve nahm der Schakalkot dort um das Sechsfache zu - und Hyänenkot wurde gar 54 Mal häufiger gefunden als zuvor.

Strategiewechsel angesagt

Die Forscher plädieren daher dafür, die Fütterungsstrategie zu wechseln oder zumindest zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen: Etwa indem die Restaurants von Zäunen umschlossen werden, damit die bodenbewohnenden Aasfresser an die Kadaver nicht mehr herankommen.

Nimmt man die Zunahme der Bestände von Raubsäugern in Kauf, könnte dies ungewünschte ökologische Konsequenzen nach sich ziehen, sagt Yarnell. Und auch der Mensch könnte davon direkter betroffen sein, als ihm lieb sein dürfte - denn auch die Tollwutgefahr steige damit, warnt der Forscher. (red, derStandard.at, 24. 9. 2014)

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