Sexy und gefährlich: 30 Jahre "Miami Vice" 

24. September 2014, 15:50
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Waffen, Drogen, schnelle Autos, heiße Anzüge: Die Krimiserie "Miami Vice" wurde zum Kult - Image in der Metropole Floridas lebt weiter

"Miami Vice" - wer denkt dabei nicht an coole Drogencops, Verfolgungsjagden im Dienst-Ferrari von Sonny Crockett und Ricardo Tubbs, Feuergefechte im Designeranzug, dazu fetzige Musik. Der Krimi, der im September 1984 sein Seriendebüt feierte, machte nicht nur Don Johnson zum Superstar, sondern war auch wegweisend für eine neue Fernsehästhetik.

Crockett (Don Johnson) und sein Kollege Tubbs (Philip Michael Thomas) ermittelten im "Miami Vice" verdeckt gegen Drogenbosse, Waffenschieber und Zuhälter.

Schnelle Schnitte, Pastellfarben und Videoclip-Optik wurden zum Markenzeichen von "Miami Vice". Die Stadtväter Miamis waren 1984 allerdings besorgt: Die US-Stadt galt als Drogenmetropole, die dargestellte Gewalt in "Miami Vice" könnte Besucher verschrecken. "Viele Leute haben befürchtet, dass das durch 'Miami Vice' verbreitete Image politischen Schaden bringt und Touristen vertreibt. Doch das Gegenteil war der Fall", sagt der in Florida geborene Dokumentarfilmer Billy Corben. Das Image der Stadt als "sexy und gefährlich" wirkt auch noch 30 Jahre später.

foto: wikimedia
Typisch 80er: Das Logo der TV-Serie

"Miami war das Zentrum für Drogen, Geldwäsche und Mord in den USA, und das war für Filmemacher und Zuseher sehr anziehend", sagt Corben der Nachrichtenagentur dpa. Er führte Regie bei dem Dokumentarfilm "Cocaine Cowbowys" über die Kokainschwemme der 70er und 80er. In den 1980ern begann Kokain in großen Mengen aus Südamerika nach Florida zu fließen, die Mordrate verdreifachte sich. Die geografische Lage von Miami und dem Süden Floridas seien ideal für die Drogenrouten, erklärt Jorge Zamanillo vom Museum History Miami.

Vor allem die Küstenlage und die Sümpfe, die Everglades, machten den Schmuggel einfach. Die Gewinnspannen beim Handel mit Kokain seien gigantisch gewesen. "Man konnte Tausende Dollar in der Woche verdienen, wenn man Drogen in seinem Auto oder Boot transportierte", sagt Zamanillo. Schnell formten sich Gangs, Gewalt war die Folge. Eine Einwanderungswelle aus dem kommunistischen Kuba verschärfte die Spannungen. Kubas Machthaber Fidel Castro hatte damals Zehntausende ausreisen lassen, darunter viele Häftlinge.

Sonnenbrille, Lederslipper ohne Socken

In diesem Hexenkessel ermittelten Crockett (Don Johnson) und sein Kollege Tubbs (Philip Michael Thomas) verdeckt gegen Drogenbosse, Waffenschieber und Zuhälter. Kriminalität und Luxus gehörten in "Miami Vice" zusammen wie die Sonnenbrille zu den Lederslippern ohne Socken und das T-Shirt zum italienischen Designeranzug. Nach einer Pilotfolge ging es am 28. September 1984 auf dem US-Sender NBC regulär los. Crockett und Tubbs ermittelten fünf Staffeln (111 Episoden) lang bis zur Einstellung der Serie 1989. Im deutschsprachigen Raum lief "Miami Vice" ab Dezember 1986.

Der Strand von Miami Beach

"Plötzlich hatte Miami ein neues, anziehendes Image - sexy und gefährlich. Jeder wollte auf einmal dieses Leben mit den Autos, den Hotels, den Frauen, dem Strand und dem tropischen Lebensstil", erinnert sich Zamanillo. "Miami Vice" sei sehr nahe an der Realität gewesen, glaubt Corben, trotz der stereotypen Figuren - wie dem Ferrari fahrenden Polizeibeamten Crockett mit seinem Hausboot und einem Alligator als Haustier.

Wiederauferstehung von South Beach

Damals entstanden im Stadtzentrum die ersten Wolkenkratzer, und im Touristenzentrum South Beach wurden die Art-déco-Gebäude mit öffentlichen und privaten Mitteln restauriert. Diese passten gut zum Pastell-Look von "Miami Vice" und wurden dementsprechend oft zur Kulisse. Die Serie habe die Wiederauferstehung von South Beach gefördert, sagt Corben.

foto: reuters/andrew innerarity
Die Skyline von Miami

Doch: Das Geld für viele dieser Bauvorhaben stammte aus dem Drogenhandel, wie Zamanillo sagt. Dies sei auch ein Grund dafür gewesen, dass der Drogenhandel teilweise toleriert worden sei. Auch Corben sagt: "In den 80ern war man abhängig vom Drogengeld... und so lange das Geld floss, sahen alle weg: Politiker, Polizei usw." Doch auch damit war irgendwann Schluss - als Unschuldige zu Opfern der Drogengewalt wurden, schritten die Behörden schließlich doch ein.

Seither hat sich die Skyline von Miami verändert, Wolkenkratzer dominieren das Bild. Doch mit Kriminalität und Korruption kämpft die Region noch immer. "Ich glaube, die Geschichte wiederholt sich", sagt Corben. Der Süden Floridas verdiene sein Geld mit Orangen und Marihuana. Zudem boome die Finanzkriminalität. Und die Unterwelt Miamis fasziniert noch immer: War es in den 80er Jahren "Miami Vice", so locken heute die Ermittler von "CSI: Miami" oder Psychopath "Dexter". (APA, red, derStandard.at, 24.9.2014)

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