Wiener Rechnungshof kritisiert Kosten für Schultz-Halle

24. September 2014, 13:27
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Beantragte Förderung lag laut Prüfern absehbar unter tatsächlichen Kosten

Wien - Der vor einigen Jahren erfolgte Um- und Ausbau der Albert-Schultz-Halle im 22. Bezirk in Wien kam teurer als ursprünglich angenommen. Das hat nun auch der Wiener Stadt-Rechnungshof (RH) konstatiert. Überraschend sei das jedoch nicht gewesen, befinden die Rathaus-Prüfer. Ihrer Ansicht nach hätten die tatsächlichen Kosten schon früher abgeschätzt werden können.

Der Stadt-RH hat in einem mehr als 50 Seiten umfassenden, am Mittwoch erschienenen Bericht die Causa aufgearbeitet. Am Anfang stand eine Kostenschätzung: Ein Ziviltechnikerbüro errechnete auf Auftrag der Magistratsabteilung 51 (Sportamt) Kosten von rund 40 Millionen Euro - wobei Abweichungen auch nach oben als möglich erachtet wurden.

Umfang der Leistungen war noch nicht definiert

Vom Betreiber, dem Eishockeyverein Vienna Capitals, wurde jedoch nur eine Förderung über exakt jene 40 Millionen Euro beantragt. Übrigens auf Basis der Schätzung, was im Endeffekt bedeutete: "Die MA 51 prüfte ihre selbst in Auftrag gegebenen Projektunterlagen", wie es im Bericht heißt. Und obwohl, wie der Rechnungshof nun bemängelt, der Umfang der durchzuführenden Leistungen noch nicht klar definiert war, wurde die Förderung erteilt.

In Wahrheit wäre bereits damals abzusehen gewesen, dass der Investitionsbedarf höher sei, beklagen die Prüfer. So sei etwa darauf verzichtet worden, die Kosten für den Abtransport von kontaminiertem Bodenmaterial zu erheben. Mit diesem sei zu rechnen gewesen, da sich auf dem Gelände einst eine Lackfabrik befand. Wie teuer die Aufzüge kommen würden, ist demnach ebenfalls nicht erhoben worden. Die Kostenschätzungen seien jedenfalls in mehreren Bereichen "unausgereift" gewesen, heißt es. Auch ein Bauzeitenplan wurde vermisst.

Kritisiert wurde auch, dass der letztendlich beauftragte Totalunternehmer die Kontrolle der Bauausführung übernahm. Wobei: Vom Totalunternehmer-Modell wurde später zu einem Modell mit Einzelvergaben umgeschwenkt. Letztendlich schlug das komplexe Bauvorhaben jedenfalls mit 47 Millionen Euro zu Buche.

Lob für Konzept

Lob gab es jedoch für das Konzept an sich. Die Schultz-Halle entspreche den Anforderungen an ein modernes Eissportzentrum, befindet der Stadt-RH. Auch eine Eishockey-A-WM könnte dort durchgeführt werden, wenn auch erst nach kleineren Adaptierungen. Die MA 51 versprach in einer im Bericht enthaltenen Stellungnahme, künftig bei Sportstättenanträgen auf die Detailplanung und die veranschlagte Bauzeit genauer zu achten.

Die im 22. Wiener Gemeindebezirk in der Attemsgasse befindliche Albert-Schultz-Halle ist die Heimstätte der Vienna Capitals. Sie wurde von der Stadt Wien in den Jahren 1992 bis 1994 errichtet. Das zu Beginn über zwei Eisflächen verfügende Sportzentrum wurde nach einem ehemaligen Bezirksvorsteher der Donaustadt benannt.

Die Schultz-Halle war im Jahr 1996 neben der Stadthalle die zweite Austragungsstätte der Eishockey-WM. Im Jahr 2003 wurde das Areal um eine temporäre Außeneisfläche erweitert - die im Zuge des jüngsten Umbaus überdacht wurde. Bei diesem wurde auch die große Halle auf rund 7.000 Plätze erweitert. Auch neue Garagenplätze und VIP-Logen wurden errichtet.

Und wenn auch der Eissport im Zentrum des Geschehens steht, werden auch andere Veranstaltungen dort durchgeführt - mit teils beachtlichem Publikumsinteresse: Zuletzt sorgte ein Auftritt des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdogan für großen Andrang. (APA, 24.9.2014)

  • Stadt-Rechnungshof übt Kritik: Man hätte die tatsächlichen Kosten für den Umbau der Albert-Schultz-Halle schon früher abschätzen können.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Stadt-Rechnungshof übt Kritik: Man hätte die tatsächlichen Kosten für den Umbau der Albert-Schultz-Halle schon früher abschätzen können.

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