Aufregung am autofreien Tag war überzogen

Userkommentar24. September 2014, 16:41
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Ein Mitorganisator von "Rasen am Ring" über den Streit zwischen Autofahrern und Fußgängern

Mobilität bewegt. Das ist gut so. Wenn aber eine Veranstaltung wie "Rasen am Ring" dazu führt, über Einschränkungen des Demonstrationsrechts nachzudenken, dann wird es heikel. Anscheinend gibt es zwei Tage nach Ende der Internationalen Mobilitätswoche kein anderes Thema als den Wiener Beitrag dazu. "Rasen am Ring" erntet ein Echo, das die Ausmaße der Veranstaltung bei weitem übertrifft.

Bleiben wir doch wenigstens minimal sachlich: Die Welt ist auch am 22. September 2014 nicht untergegangen, auch wenn sich manch hämisches Online-Posting ("Ätsch, es hat's den linken Chaoten verregnet") und die Aussendungen von FPÖ und ÖVP entsprechend lesen.

Was ist denn tatsächlich in der Wiener Innenstadt geschehen?

Am internationalen autofreien Tag war eine Straße in Wien für den Autoverkehr über mehrere Stunden und eineinhalb Kilometer gesperrt. Überraschend? Bestimmt nicht – schließlich fand "Rasen am Ring" heuer bereits zum achten Mal statt. Einschränkung der Bewegungsfreiheit? Kaum, zwischen Oper und Universität sind 73 Prozent des Verkehrs problemlos und sogar besser als an anderen Tagen abgelaufen.

Vielleicht kratzt es ja am Selbstbild vieler AutofahrerInnen. Aber nur mehr 27 Prozent der täglichen Wege werden in Wien mit dem Pkw zurückgelegt (2012). Der enorme Großteil von 73 Prozent verteilt sich auf öffentlichen Verkehr, Fahrrad und die eigenen Beine. Und alle Menschen – sogar die größten AutofetischistInnen – profitieren von einer Stadt, die weniger auf den Pkw-Verkehr ausgerichtet ist.

Trotz Schlechtwetters sind ein paar tausend Menschen gekommen, vom Kind bis zum Pensionisten, von der Arbeiterin bis zum Studenten. Das zeigt, dass "Rasen am Ring" längst eine etablierte und beliebte Veranstaltung ist.

Und dass Großveranstaltungen nicht immer für alle lustig sind, ist auch keine Frage. "La Donna - Großer Besucheransturm führt zu langen Verzögerungen" ist ebenso Normalität wie "'Marsch für Jesus' und 'Tag des Sports' legen am Samstag die Wiener City lahm". Würde irgendjemand bei FPÖ und ÖVP ernsthaft eine dieser Veranstaltungen absagen oder verlegen wollen? Die entsprechenden Aussendungen der Wiener Opposition müsste ich übersehen haben …

Ich freue mich auf nächstes Jahr. Da feiern wir den autofreien Tag im Zeichen des 150. Jahrestags der Eröffnung der Ringstraße. Da bringen wir den Ring wieder ein Stück näher an seine eigentliche Bestimmung: als Ort der Begegnung und als Aushängeschild einer wunderschönen Stadt. (Axel Grunt, derStandard.at, 24.9.2014)

Axel Grunt ist Obmann der Plattform Zukunft statt Autobahn als Mitorganisator von "Rasen am Ring".

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