Arianna Huffington: Auch für Beiträge auf Facebook oder Wikipedia erhalte man kein Geld

24. September 2014, 13:05
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"Huffington Post" biete den Menschen die Möglichkeit, sich zu äußern - Medienkritiker Niggemeier skeptisch bezüglich des Finanzierungsmodells

Wien - Arianna Huffington weiß, wie sie ihr Publikum unterhält. Ob das nun 115 Mio. sind, die die von ihr gegründete "Huffington Post" inklusive Ableger mittlerweile erreicht, oder mehrere hundert Interessierte beim "future.talk" der Telekom Austria in Wien. Kurzweilig gab die Unternehmerin ihre Vorstellung von Medien zum Besten und schlussfolgerte: "Selbstdarstellung ist die neue Unterhaltung."

Mit dieser Aussage konterte die 64-Jährige am Dienstagabend die Kritik an den gut 80.000 freiwilligen, unbezahlte Bloggern, die ihre Onlineplattform mit Inhalten füttern. Wer das nicht verstehe, "versteht die Funktionsweise solcher Plattformen nicht". Auch für Beiträge auf Facebook oder Wikipedia erhalte man kein Geld. Stattdessen biete man den Menschen die Möglichkeit, sich zu äußern und zu präsentieren. Ein Angebot, das Huffington auch einem jungen Schüler machen sollte, der sie zum Wert von Information im digitalen Zeitalter befragte.

Neue Rollenverhältnisse

Aus ihrer Sicht gehe es "um Weisheit und Kreativität, nicht so sehr um Information". Das richtige Paket sei für Medienunternehmen entscheidend. "Früher haben uns die Mediengötter vom Olymp herunter mitgeteilt, was gerade passiert. Nun müssen sie via Twitter kommunizieren und zuhören", umriss die gebürtige Griechin die geänderten Rollenverhältnisse. Für die "Königin der Blogger", wie sie von Telekom-CEO Hannes Ametstreiter vorgestellt wurde, steht der "Nutzer im Zentrum", mit weitreichenden Folgen: "Die Medien haben noch nicht realisiert, dass sie nicht die Nutzer zu sich bringen sollten, sondern ihre Inhalte zu den Nutzern."

Die freizugängliche und werbefinanzierte "Huffington Post" fährt recht mit diesem Modell erfolgreich. "Es bleibt aber die Frage, wie sich Journalismus in Zukunft finanzieren lässt", warf der deutsche Journalist und Medienkritiker Stefan Niggemeier ein. "Die alten Modelle funktionieren nicht mehr, die neuen noch nicht. Ich glaube nicht, dass die 'Huffington Post' die Zukunft ist, sie ist eher die Gegenwart und ihre Grenzen werden uns aufgezeigt."

"Loyale Nutzer"

Ein Einwand, den Huffington betont selbstbewusst beiseiteschob. "Uns geht es nicht um reine Anzahl, wir wollen loyale Nutzer. Und dafür müssen wir ihnen etwas Bedeutungsvolles geben. Etwas, das Wert hat." Kein Problem erkannte die Journalistin an gesponserten Bereichen der Plattform, schließlich würde die Integrität von Printjournalisten auch nicht durch Werbung in Magazinen oder Zeitungen untergraben werden. Letztlich müsse man dem Leser ein Angebot machen. "Wir decken alles ab. Die Leute kommen zu uns für Lifestyle-Themen und entdecken dann Politisches. Oder umgekehrt."

Als gegen Ende die Sprache neuerlich auf die prekäre Arbeitssituation im Journalismus kam, spielte Huffington den Ball den Regierungen zu. "Das ist ein wichtiges Thema, aber es scheint, als ob die Stabilität von Investmentbanken wichtiger ist." Grundsätzlich seien die Menschen heute nicht mehr auf der Suche nach einer Anstellung. "Sie wollen etwas Kreatives machen." Dass dabei "viel Geld" anfallen kann, würden verschiedene Start-ups Tag für Tag unter Beweis stellen.

Huffington verstand es bei der Diskussion im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste nur zu gut, allfällige Kritik durch entwaffnender Offensivität zu begegnen, wofür sie teils auch die Moderationsrolle von Michael Fleischhacker an sich zog. Dem "nzz.at"-Chefredakteur sowie Niggemeier, der für "Krautreporter" tätig ist, riet sie bei dieser Gelegenheit, doch für Blogbeiträge von Leuten etwas zu verlangen. "Dann wären Sie weiter, als es wir bei der 'Huffington Post' sind." Geht es um einen unterhaltsamen Auftritt, kann man von Huffington jedenfalls nur lernen. (APA, 24.9.2014)

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