S&P warnt vor Aufstieg eurokritischer Partei

24. September 2014, 09:06
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Laut der Ratingagentur droht den Euro-Krisenstaaten Ungemach durch den Aufstieg der Alternative für Deutschland

Berlin - Der Aufstieg der eurokritischen AfD in Deutschland birgt nach Ansicht der Rating-Agentur S&P eine Gefahr für die Stabilität der Krisenländer in der Währungsunion. Bislang sei Bundeskanzlerin Angela Merkel im eigenen Land auf keinen größeren Widerstand gegen ihre Politik in der Euro-Krise gestoßen, heißt es in einer am Dienstag vorgelegten Analyse der Bonitätswächter. Dies habe ihr in Brüssel mehr Spielraum für Kompromisse ermöglicht. Sollte Merkel ihre Gangart unter dem Eindruck des AfD-Aufstiegs verschärfen, würden die Krisenstaaten dies durch höhere Zinsen am Kapitalmarkt zu spüren bekommen, warnt S&P-Analyst Moritz Kraemer. Er verweist darauf, dass die Alternative für Deutschland (AfD) derzeit in Umfragen spielend die 5-Prozent-Klausel nehmen würde. In einer Forsa-Umfrage hat sie zuletzt sogar die Zehn-Prozent-Marke geknackt.

Angesichts dieses Zulaufs hat die AfD laut S&P das Zeug dazu, die europapolitische Linie der Regierung zu beeinflussen: "Die CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte versuchen, durch eine härtere Regierungslinie Wähler zurückzugewinnen", heißt es in dem Papier von Standard & Poor's. Dass Deutschland bei der Unterstützung der in Not geratenen Länder konstruktiv mitgewirkt habe, habe letztlich auch eine positive Wirkung auf deren Bonität gehabt. Staaten wie Spanien und Italien konnten sich in jüngster Zeit zu historisch niedrigen Zinssätzen am Kapitalmarkt frisches Geld besorgen. Sollten die Investoren auch nur "Anzeichen für eine Verschärfung" des deutschen Kurses wahrnehmen, werde das Vertrauen in die Krisenländer bröckeln, warnt der S&P-Analyst.

Ökonom Gustav Horn übt an der Einschätzung heftige Kritik: "Das ist ein trauriger Treppenwitz der Ökonomiegeschichte", sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) dem Handelsblatt. "Ausgerechnet eine jener Agenturen, die mit der Abwärtsspirale ihrer Ratings im Herbst 2009 die Begründung für Austeritätspolitik geliefert hat, fürchtet sich nun vor einem durch die AfD erzwungenen Austeritätskurs." Das zeige die "volle Absurdität" der Arbeit von Ratingagenturen. "Es ist höchste Zeit, dass deren Urteile nicht mehr ernst genommen werden", so Horn. (Reuters/red, derStandard.at, 24.9.2014)

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    foto: reuters
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