Klimagipfel: Obama mahnt Verantwortung von China und USA ein

Video24. September 2014, 10:50
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Finanzierungszusagen für Klimafonds decken erst 2,3 statt zehn Milliarden Dollar ab

New York - Mehr als 100 Staats- und Regierungschefs haben beim UN-Klimagipfel mehr Engagement gegen die Erderwärmung versprochen. Auch die USA und China, die Nationen mit dem höchsten Treibhausgasausstoß, versprachen in New York mehr Anstrengungen gegen den Klimawandel. Umweltschutzorganisation bezweifelten aber, dass vom Gipfel der nötige Schwung für ein weitreichendes Klimaschutzabkommen ausgeht.

"China und wir haben eine besondere Verantwortung zur Führung. Vorangehen, das ist etwas, was große Nationen tun müssen", betonte US-Präsident Barack Obama am Dienstag bei dem Gipfel. Der chinesische Vizepremier Zhang Gaoli versprach "noch größere Anstrengungen".

"Größte Gefahr in der Geschichte der Menschheit"

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon nannte den Klimawandel "die größte Gefahr in der Geschichte der Menschheit". "Wir müssen der Welt heute einen neuen Kurs geben", sagte er zum Auftakt des eintägigen Treffens vor der Generaldebatte der Vereinten Nationen. Der Klimawandel bedrohe den Frieden, den Wohlstand und die Erfolgsaussichten von Milliarden Erdbewohnern. "Wir sind nicht zum Reden hier", sagte Ban, "wir sind hier, um Geschichte zu schreiben."

Ban forderte von den Industrieländern, endlich ihren Beitrag zu dem vor fünf Jahren beschlossenen Klimafonds zu leisten, der ab 2020 mit jährlich 100 Milliarden Dollar (78 Milliarden Euro) ausgestattet sein soll. Auch namhafte Wissenschafter und Hollywood-Stars wie Schauspieler Leonardo DiCaprio waren zu dem Gipfel am Dienstag angereist.

storyful, youtube/united nations
Die Rede von DiCaprio ist bereits ein Erfolg auf YouTube.

Abgesandte aus allen Teilen der Welt forderten konkrete Schritte, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Konkrete Versprechen machten allerdings die wenigsten Redner. So kündigte beispielsweise EU-Kommissionschef José Manuel Barroso an, dass die Länder der EU bis 2030 40 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen und 30 Prozent ihres Energieaufwands einsparen würden. Bis 2050 sollen sogar bis zu 95 Prozent der Emissionen eingespart werden.

Fischer: "Handeln wir gemeinsam"

Bundespräsident Fischer fordert einen "ambitionierten" Vertrag im Kampf gegen den Klimawandel. "Handeln wir gemeinsam", sagte Fischer am Dienstag beim UNO-Klimagipfel in New York, der einem neuen Weltklimavertrag vorbereiten soll. Fischer verwies auf die Zahlen des österreichischen Klimaberichts, wonach die Alpenrepublik besonders von der globalen Erwärmung betroffen sei. Rupprechter sprach von einem "Weckruf für den Klimaschutz".

In Frankreich findet im Dezember 2015 die nächste große Klimakonferenz statt, bei der ein Nachfolgeabkommen des 2020 auslaufenden Kyoto-Protokolls abgeschlossen werden soll. "In Paris muss es 2015 eine große Revolution geben", forderte der französische Präsident mit Blick auf die Reduzierung von Treibhausgasen. Beim Klimagipfel in Kopenhagen vor fünf Jahren hatte die Weltgemeinschaft sich nicht auf verbindliche Emissionsziele einigen können.

Der Gipfel in New York war nicht Teil der formalen Verhandlungen unter der UN-Klimarahmenkonvention, sondern sollte vor allem den politischen Willen für den Kampf gegen die Erderwärmung stärken. Auch Vertreter von Zivilgesellschaft und Wirtschaft nahmen an den Beratungen teil.

"Zeit des Handelns"

Der Vorsitzende des Weltklimarats, Rajendra Pachauri, mahnte zu Taten. "Unsere Zeit zum Handeln läuft ab", sagte er. Ansonsten drohten unter anderem Wasser- und Lebensmittelmangel. Geld sei keine Ausrede. "Uns wird gesagt, dass der Kampf gegen den Klimawandel zu teuer sein wird. Das stimmt nicht. Wartet ab, bis wir die Rechnung für das Nichthandeln bekommen."

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff forderte ein ambitioniertes und ausgeglichenes Abkommen zum weltweiten Klimaschutz. "Die Industrieländer verdanken das Wohlstandsniveau ihrer Gesellschaften historisch gesehen einem Entwicklungsmodell, das auf hohen Emissionen von klimaschädlichen Gasen basiert", sagte Rousseff. Dabei seien Wälder abgeerntet und umweltschädliche Praktiken angewendet worden. "Wir wollen dieses Modell nicht wiederholen."

Der iranische Präsident Hassan Rohani kritisierte die internationalen Sanktionen gegen sein Land als Hindernis im Kampf gegen den Klimawandel. Sie erschwerten zum Beispiel eine Verbesserung der Qualität der Treibstoffe und schnitten sein Land von dem Wissen und der Erfahrung anderer Länder ab.

Finanzierungslücke

Zum Abschluss des Gipfels hat die UNO die Finanzierungslücke in ihrem Fonds gegen den Klimawandel auf 7,7 Milliarden Dollar beziffert. Bisher seien erst 2,3 Milliarden Dollar (umgerechnet 1,8 Mrd. Euro) von den Mitgliedstaaten zugesagt worden, davon jeweils eine Milliarde von Deutschland und Frankreich, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am Dienstagabend (Ortszeit).

Deutschland hatte sein Versprechen schon vor dem Klimagipfel gegeben, Frankreich zog am Dienstag nach. Laut der Hilfsorganisation Oxfam kamen die restlichen Zusagen von Südkorea, Dänemark, Norwegen, Mexiko und der Schweiz. Der sogenannte Green Climate Fund soll armen Ländern helfen, die am stärksten von steigenden Temperaturen und Umweltkatastrophen betroffen sind. Bis zum Jahresende soll der Fonds sein Zielvolumen von zehn Milliarden Dollar erreicht haben. Die Empfängerstaaten sollen mit dem Geld auch dabei unterstützt werden, ihre Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren.

Oxfam kritisierte, der New Yorker Klimagipfel habe nur "eine teilweise und zögerliche Antwort" auf die drängenden Umweltprobleme gegeben. Zwar gebe es inzwischen erste Finanzierungszusagen, diese liefen aber eher "tröpfchenweise" ein.

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch zog hingegen ein positives Fazit. "Dieser Gipfel hat die Weichen gestellt: Ein neues Klimaabkommen im Dezember 2015 in Paris ist nun sehr wahrscheinlich", erklärte der politische Geschäftsführer der Organisation, Christoph Bals. Besonders wichtig sei, dass die USA und China nicht nur die Erfüllung der 2009 in Kopenhagen angekündigten Klimaziele zugesagt hätten, sondern auch auf ein neues Abkommen drängten. (APA, 24.9.2014)

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