Neue Stelle will Rassismus in Tirol sichtbar machen

23. September 2014, 18:00
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Bisher "keine Dokumentation" rassistischer Vorfälle in Innsbruck - Jeder fünfte Einwohner lehnt "Vielfalt" eher ab

Innsbruck - Innsbruck möchte jetzt mit New York gleichziehen. "Der ehemalige Bürgermeister Michael Bloomberg hat einmal gesagt, dass ein New Yorker jeder ist, der sich dort zu Hause fühlt. Unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe oder sexueller Orientierung. So soll das bei uns auch sein", sagte der grüne Stadtrat Gerhard Fritz auf einer Pressekonferenz am Dienstag.

So soll es sein. Der Tiroler Realität entspricht das für viele noch nicht. Eine repräsentative Umfrage der Stadt hat ergeben, dass 80 Prozent der Innsbrucker Bürger Vielfalt als Bereicherung empfinden. "In dem Fünftel, das anderer Meinung ist, finden sich aber ganz sicher auch immer noch einige Rassisten", ergänzt Fritz.

Rassistische Stellenausschreibungen

Wie stark rassistische Strukturen in Tirol tatsächlich ausgeprägt sind, ist derzeit schwer zu beantworten. "Es gab hier bisher keine Dokumentation darüber", sagt Mandeep Lakhan von der neu geschaffenen Anlaufstelle Tigra, der Tiroler Gesellschaft für rassismuskritische Arbeit. Zu tun gebe es genug: "Allein in Wohnungsanzeigen und Stellenausschreibungen lese ich immer wieder den Satz, dass nur Inländer erwünscht seien. Auf so etwas muss man aufmerksam machen."

In Innsbruck leben Menschen aus mehr als hundert verschiedenen Nationen - und Vielfalt sei eben auch eine Herausforderung, sagt Selda Sevgi von Tigra. Das Problem an Rassismus sei, dass rechtlich gesehen oft Aussage gegen Aussage stünde. Die von Stadt und Land geförderte Stelle will deshalb nicht bloß Menschen beraten, die Rassismus erleben oder mitbekommen, sondern auch "Zeugnis schaffen". Ende des Jahres soll der erste Rassismus-Report für Tirol erstellt werden.

Hemmschwelle zu hoch

"Die Wiener Anti-Rassismus-Stelle Zara erreichen kaum Meldungen aus Tirol. Nicht weil es hier keinen Rassismus gibt, sondern weil die Hemmschwelle zu hoch ist, wenn die Stelle nicht vor Ort ist", sagt Sevgi.

Wichtig sei aber auch, die Bevölkerung allgemein für das Thema zu sensibilisieren, glaubt Fritz: "Ich stoße regelmäßig auf rassistische Verletzungen, die den meisten Menschen auf den ersten Blick gar nicht auffallen." (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, 24.9.2014)

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Tigra

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