Deutschland ein "sehr einladender Markt" für Huffington

Interview23. September 2014, 17:37
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Gründerin der "Huffington Post" nennt eine Österreich-Ausgabe eine "Hoffnung", die sie aber nicht aktiv betreibt

Wien - Arianna Huffington (64) hat 2005 die US-Onlineplattform "Huffington Post" gegründet und 2011 für kolportierte 315 Millionen Dollar an AOL verkauft. Das Geschäftsmodell hat sie mit AOL mittlerweile in elf Ländern ausgerollt: Meist unbezahlte Blogger, Redaktionen, die Inhalte anderer Medien aufbereiten - und vor allem in den USA inzwischen auch relevante Eigenrecherchen, mit denen die HuffPo schon einen Pulitzerpreis schaffte.

Die Telekom Austria lud Huffington zu einem "Futuretalk" am Dienstagabend in Wien. Übrigens für ein "deutlich geringeres" Honorar als Richard Branson (Virgin) - der bekam kolportierte, aber unbestätigte 100.000 Euro.

STANDARD: Sie haben eine Ausgabe der "Huffington Post" für Österreich eine Hoffnung genannt. Das ist aber eher keine realistische Hoffnung für die nächsten Jahre?

Huffington: Warum nicht? Wir widmen uns inzwischen auch kleineren Märkten wie Marokko, dort starten wir im Oktober, und in Griechenland Ende November.

STANDARD: In neue Märkte - nach USA, Großbritannien und Kanada - gehen Sie stets mit lokalen Partnern - wie "Le Monde" in Frankreich oder in Deutschland Burda. Haben Sie schon Kontakte oder Gespräche in Österreich geführt?

Huffington: Nein. Und wir verfolgen das Thema derzeit nicht aktiv und haben auch noch nicht begonnen, uns nach Partnern umzusehen. Wir haben gut zu tun mit unseren anstehenden Starts in großen Märkten wie Indien und dem arabischen Raum und dann Australien. Aber wir sehen uns als globale Player - und da ist Österreich ein fabelhafter Markt.

STANDARD: Sie haben schon ein Jahr Erfahrung mit dem deutschsprachigen Markt und liegen derzeit auf Platz 15 der Webportale. Haben Sie einen Tipp für Netflix und Buzzfeed für den deutschen Markt.

Huffington: Der deutsche Markt ist sehr fragmentiert mit sehr vielen Anbietern. Aber wir haben einen sehr einladenden Markt vorgefunden.

STANDARD: Mathias Döpfner, der Chef des größten Verlagshauses Springer, klang aber nicht gerade freudig einladend gegenüber der "Huffington Post", die er ein "Anti-Geschäftsmodell für Journalismus" nannte - weil sie einerseits Inhalte anderer Medien zusammenfasst und andererseits viele Beiträge nicht bezahlt.

Huffington: Ich habe Döpfner diesen Sommer bei einer Google-Konferenz in Sizilien getroffen. Er hat doch eine deutlich andere Position gegenüber Google als gegenüber der "Huffington Post". Er war skeptisch, ob wir Beiträge anderer fair zitieren und verlinken. Ich denke, wir konnten die Bedenken ausräumen.

STANDARD: Das deutsche Leistungsschutzrecht verlangt Entgelte, wenn Internetplattformen Inhalte anderer Medien kommerziell nutzen. Musste die "HuffPo" schon zahlen?

Huffington: Wo immer wir aktiv werden, halten wir uns an nationales Recht, so natürlich auch in Deutschland. Das Leistungsschutzrecht verlangt Entgelte für computergenerierte Auszüge, wir erstellen Inhalte aber journalistisch - und hatten deshalb auch noch keine Forderungen. (Harald Fidler, DER STANDARD, 24.9.2014)

  • Weit günstiger zu haben als Richard Branson, heißt es bei der Telekom Austria: Arianna Huffington promotet gerade ihr neues Buch "Die Neuerfindung des Erfolgs" - unter anderem durch mehr Schlaf.
    foto: apa/pfarrhofer

    Weit günstiger zu haben als Richard Branson, heißt es bei der Telekom Austria: Arianna Huffington promotet gerade ihr neues Buch "Die Neuerfindung des Erfolgs" - unter anderem durch mehr Schlaf.

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