Osteuropa-Risiko: Traue keinem Bilanzputz

Kommentar23. September 2014, 17:39
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Es drängt sich der Verdacht auf, dass heimische Banker - und Wirtschaftsprüfer und Aufseher - das Osteuroparisiko ein wenig zu optimistisch beurteilt haben

Mit der Raiffeisen Bank International (RBI) hat die dritte der österreichischen Großbanken einen Bilanzputz vorgenommen, der zu hohen Verlusten führen wird. Es war nicht der erste Kehraus - und möglicherweise auch nicht der letzte. Haben die Geldinstitute die Risiken (noch) im Griff, und muss bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen (und politischen) Lage in Osteuropa letztlich wieder der Steuerzahler einspringen?

Eines vorweg: Einige der jüngsten Entwicklungen waren nicht vorhersehbar; die Banken werden von politischen Eingriffen getroffen, für die sie nicht verantwortlich gemacht werden können. Da wäre einerseits die Zwangskonvertierung ungarischer Frankenkredite in Forint. Andererseits macht die Ukraine-Krise zu schaffen. Dazu kommen höhere Kapitalanforderungen in manchen Ländern wie beispielsweise in Rumänien. Das kostet knappes Kapital.

Doch auffällig ist auch die Regelmäßigkeit der Hiobsbotschaften. Keine Frage: Firmenwertabschreibungen, wie sie etwa die Erste Group auf die überteuert gekaufte rumänische Tochter BCR jüngst vorgenommen hat, sind Folge der über Jahre verschlechterten Ertragserwartungen. Doch das Strecken derartiger Belastungen erhöht das Vertrauen in die Banken nicht gerade. Die RBI mag nun argumentieren, dass sich die Einschätzung zu Ukraine-Krise und Ungarn seit der Präsentation der Halbjahreszahlen vor einem Monat verschlechtert hat. Die in Zahlen gegossene Dramatik des Unterschieds kann aber nur schwer nachvollzogen werden.

Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, dass heimische Banker - und Wirtschaftsprüfer und Aufseher - das Osteuroparisiko ein wenig zu optimistisch beurteilt haben. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass internationale Organisationen wie die Osteuropabank EBRD und der Währungsfonds immer wieder auf schlummernde Risiken aufmerksam gemacht haben. Der jetzt entstandene Eindruck, auch wenn er heftig abgestritten wird: Erst der unter internationalen Standards laufende Bilanzcheck der Europäischen Zentralbank ließ den Banken keine andere Wahl, als die Bilanzen in Ordnung zu bringen.

Weitere Überraschungen sind bei Österreichs Banken nicht ausgeschlossen. Man denke nur an das - relativ weltgrößte - Engagement in Russland, das viel Potenzial für weitere Wertberichtigungen birgt. Die Expansionslust in der Region ist dennoch nicht gestillt. Banker spielen eben am liebsten Risiko. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 24.9.2014)

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