Ernüchterung bei den Neos: Kurzlebiger Zeitgeist

Kommentar23. September 2014, 17:35
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Das Übel der Neos ist in den Mühen der politischen Ebene zu finden

Die Neos werden den Erwartungen nicht gerecht - ihren eigenen nicht und auch nicht jenen ihrer Sympathisanten. Das hat sich zuletzt deutlich bei der Landtagswahl in Vorarlberg gezeigt. 6,9 Prozent aus dem Stand sind zwar fantastisch, gemessen an den Prognosen aber enttäuschend: In verschiedenen Umfragen waren immerhin bis zu 16 Prozent vorhergesagt. Jetzt aber: kein Klubstatus, keine Koalition, kein Mitreden. Und das in der Heimat von Matthias Strolz, dem Guru und Parteigründer.

Das wirklich harte Pflaster haben die Neos im kommenden Jahr noch vor sich: Landtagswahlen in Oberösterreich, in der Steiermark, im Burgenland. Lediglich in Wien schaut es ein bisschen rosiger aus, da ist Potenzial vorhanden.

Das Übel der Neos ist in den Mühen der politischen Ebene zu finden. Keine klaren Inhalte, kaum Personal. Strolz selbst ist Markenzeichen und vielleicht auch Programm, aber das erschöpft sich. Das Beispiel in Vorarlberg hat die Probleme aufgezeigt. Dass man auf Laiendarsteller in der Politik setzt, mag ein sympathischer Zug sein, ist aber auch ein Zeichen für mangelnde Professionalität. Da fühlten sich viele Wähler besser bei den Grünen aufgehoben. Da weiß man, was man bekommt: Vom Personal und von den Inhalten her sind die Grünen solide aufgestellt.

Das wird eine der großen Herausforderungen für Strolz: geeignetes Personal für die Bundesländer zu finden. Nicht nur Bürger, die ein bisschen mitreden wollen, sondern Kandidaten, die man vorn hinstellen kann; die nicht nur halbwegs pannenfrei einen Wahlkampf überstehen, sondern auch etwas darstellen und vermitteln können.

Der ursprüngliche Erfolg der Neos - fünf Prozent, das waren immerhin 230.000 Wähler bei der Nationalratswahl 2013 - lag in der Schwäche der anderen Parteien begründet. Die Neos wurden von enttäuschten Bürgerlichen und Bobos gewählt, die der Politik nicht mehr folgen konnten und wollten. Da ging es weniger um Inhalte als um einen handfesten Protest gegen das Alte und eine diffuse Hoffnung auf das Neue.

Mittelfristig braucht der mündige Bürger aber auch erkennbare und nachvollziehbare Inhalte, um bei einer Partei ideologisch wie emotional andocken zu können. Die sind die Neos bis jetzt schuldig geblieben. Wenn es Strolz nicht gelingt, seiner Partei personell wie inhaltlich mehr Tiefenschärfe zu geben, werden die Neos eine amüsante, aber kurzlebige Zeitgeisterscheinung gewesen sein. (Michael Völker, DER STANDARD, 24.9.2014)

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