Alibaba-Boss erobert Chinas Milliardärsthron

23. September 2014, 17:08
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Jack Ma führt die Hurun-Liste der tausend reichsten Chinesen an. Bereits 354 Dollarmilliardäre kommen aus China

Ma Yun alias Alibaba, das Wunderkind des besonderen chinesischen Kapitalismus, und sein märchenhaftes Online-Business-Imperium haben es nun auch in China geschafft. Nach dem Siegeszug an der Wall Street ist Ma Yun mit 25 Milliarden US-Dollar (19,4 Milliarden Euro) Vermögen die neue Nummer eins unter den volksrepublikanischen Milliardären. Das stellt der Brite Rupert Hoogewerf in seiner neuen Hurun-Reichenliste fest.

Alibaba raubt damit dem Besitzer der Wanda-Kette von Luxushotels und Hypermärkten, Wang Jianlin, den Vorjahrestitel des Ersten Milliardärs unter dem Himmel. Wang, der im Showbusiness Hollywood Konkurrenz macht, die US-Kinokette AMC kaufte und weltweit von London über Chicago und Madrid bis zur australischen Goldküste in großem Stil in Immobilienprojekte investiert, mehrte im Vorjahr sein Vermögen um sieben Prozent. Mit derzeit 24,2 Milliarden Dollar kommt er aber nur noch auf Platz zwei. Doch Wang ist Alibaba auf den Fersen.

Frontalattacke

Der 60-Jährige hat sich mit den Online-Machern und Milliardären Pony Ma von Tencent und Robin Li von Baidu, (dem Google Chinas) zusammengetan, um ein neues gigantisches E-Commerce- und Retail-Joint-Venture aus dem Boden zu stampfen. Es ist eine Frontalattacke auf Alibaba, um sich ein dickes Stück vom Online-Kuchen abzuschneiden. Wang kündigte an, als Nächstes an die Börse Hongkong zu gehen.

Doch 2014 sitzt erst mal Jack Ma, wie sich der 50-jährige Alibaba-Chef nennt, der vor 15 Jahren noch Lehrer war und 90 Yuan pro Monat verdiente, auf dem Thron. Das verdankt er seinem sechs Prozent Anteil an Alibaba und 46 Prozent am Online-Bezahldienst Alypay. Der 38-Prozent-Sprung der Alibaba-Aktie machte ihn offiziell zum reichsten Mann Chinas - fünfmal reicher, als er letztes Jahr war.

Goldene 80er-Jahre

Auf der seit 16 Jahren jährlich, stets wenige Wochen vor dem Ranking des US-Konkurrenten "Forbes" erscheinenden Schanghaier Reichenliste wechseln die Spitzenmilliardäre quasi im Jahresrhythmus. Alibaba ist die elfte Nummer eins. An der Spitze: acht Selfmademilliardäre, allesamt in den 1980er-Jahren geboren. Das IT-Business ist das beste Sprungbrett. Fünf der Top Ten verdanken ihr Vermögen dem Internet. Vier unter den ersten zehn sprechen fließend Englisch.

Für andere sind Chinas Krösusse alle irgendwie Alibabas, wie aus dem Räubermärchen. Die neue Hurun-Liste der tausend Reichsten führt 354 chinesische Dollarmilliardäre an, 39 mehr als im Vorjahr. 2004 gab es erst drei Milliardäre in der sozialistischen Volksrepublik. Um unter die ersten 100 Milliardäre zu kommen, braucht man mindestens 2,3 Milliarden Dollar an Vermögen. Für die 1000 Reichsten auf der neuen Liste war das Vorjahr sehr gut, obwohl Chinas Wachstum schwächelt. 819 der 1000 konnten ihr Vermögen kräftig mehren (auf der Liste 2013 waren es nur 672). 343 sind erstmals mit dabei.

Hoogewerf hat ausgerechnet, dass sich das gesamte Vermögen der tausend auf 1,4 Billionen Dollar beläuft - 15 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts und mehr, als Spanien erwirtschaftet.

Der bevorzugte Standort der Superreichen ist die Hauptstadt Peking, wo 180 der Dollarmilliardäre registriert sind, 40 mehr als letztes Jahr. Schanghai kommt erst an dritter Stelle. Das hat möglicherweise auch mit der gesuchten Nähe zur Politik zu tun. 166 auf der Reichenliste sind entweder Abgeordnete in Chinas Volkskongress oder in dessen Beraterparlament. 40 unter den ersten Top 50 nehmen neben ihrem Geschäft auch politische Aufgaben wahr.

Im Visier der Fahnder

Chinas gigantische Antikorruptionskampagne berührt die wirklich Reichen noch wenig. Hoogewerf fand heraus: Nur 17 Krösusse, die auf der letzten Liste 2013 standen, haben in unterschiedlichem Ausmaß derzeit Probleme mit den Behörden.

Einer unter ihnen, der mit dem tiefen Fall Zhou Yongkangs, des früheren Mitglieds der obersten chinesischen Parteiführung, verbundene Unternehmer Liu Han, wartet nach seinem in zwei Instanzen bestätigten Todesurteil wegen mafiaähnlicher Verbrechen auf seine Hinrichtung. Als Chef des Energie- und Bergbaukonzerns Hanlong und internationaler Investor stand er letztes Jahr noch auf der Reichenliste. (Johnny Erling aus Schanghai, DER STANDARD, 24.9.2014)

  • Den Ehrendoktortitel hat er bereits, jetzt darf sich Alibaba-Gründer Jack Ma auch "Erster Milliardär unter dem Himmel" nennen.
    foto: reuters/bobby yip

    Den Ehrendoktortitel hat er bereits, jetzt darf sich Alibaba-Gründer Jack Ma auch "Erster Milliardär unter dem Himmel" nennen.

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