Wo der Rollstuhl zum Thron wird

23. September 2014, 17:01
posten

Das Tiroler Landestheater startete seine Saison mit Schillers "Räubern" in der Inszenierung von Regisseur Johannes Reitmeier.

Innsbruck - Sie rauben Klöster aus, vergewaltigen Nonnen. Sie stecken Städte in Brand und nehmen in Kauf, dass Alte und Kranke im Feuer verrecken. Kleinkinder werfen sie eigenhändig in die Flammen. Zu allem Überfluss prahlen und brüsten sich diese ziemlich üblen Burschen mit ihren Gräueltaten.

All diese Verbrechen schreibt Friedrich Schiller in seinem frühen Schauspiel Die Räuber einer rabiat gewordenen Gruppe Studenten zu, die sich ihrem Freiheitskampf verschrieben haben. Ein anderer Freiheitskampf - jener Andreas Hofers und seiner Bauern gegen Napoleon - tobte fast zeitgleich am Innsbrucker Bergisel. Die denkmalgeschützte Rotunde am Inn erinnert noch heute daran. Johannes Reitmeier verlegt nun die Handlung seiner Inszenierung in einen imposanten Nachbau jenes Gebäudes (Helfried Lauckners Bühne beeindruckt).

Ein hohes Baugerüst ist zudem vertikale Spielfläche der marodierenden Bande (gute Leistungen speziell von Christoph Schlag, Lisa Hörtnagl, Timo Senff).

Allem zugrunde liegt der Konflikt zwischen den beiden Brüdern Karl und Franz Moor. Falk Seifert bekommt als Räuberhauptmann Karl Moor wegen all der Untaten dann doch den Moralischen und ersehnt sich Aussöhnung mit dem Vater. Benjamin Schardt brilliert als Franz Moor. Fies und hinterhältig schmiedet er seine Pläne, wie er seinen Bruder und seinen Vater loswerden könnte, damit er sich die Macht und Amalia sichert.

Der einzigen Frau ist die Rolle der unschuldig Liebenden und sehnsuchtsvoll Schmachtenden zugedacht. Amalia (Marion Fuhs) wirkt schon allein wegen ihres Outfits wie aus einem anderen Stück.

Regisseur Johannes Reitmeier ist vieles gelungen. So wird beispielsweise ein Rollstuhl, Symbol für das Siechtum des Vaters, dem Sohn dann zum Thron. Bei dieser spannenden Inszenierung schleichen sich lediglich gegen Ende Längen ein. Dennoch, ein vielversprechender Start in die neue Saison des Tiroler Landestheaters. (Dorothea Nikolussi-Salzer, DER STANDARD, 24.9.2014)

  • Messerscharfe Machtspiele am Tiroler Landestheater bei den "Räubern": Marion Fuhs (als Amalia von Edelreich) und Benjamin Schardt (als Franz Moor).
    foto: rupert larl

    Messerscharfe Machtspiele am Tiroler Landestheater bei den "Räubern": Marion Fuhs (als Amalia von Edelreich) und Benjamin Schardt (als Franz Moor).

Share if you care.