Faux Pas: Saures Bier, im Weinfass gereift

Kolumne2. Oktober 2014, 13:34
13 Postings

Saures Bier ist nur etwas für Feinspitze - nun traut sich aber eine Großbrauerei drüber

Saures Bier hat einen festen Platz unter den deutschen Redewendungen: Wenn man sagt, etwas werde "wie sauer Bier angeboten", dann weiß man, dass von einem Ladenhüter die Rede ist. Stimmt ja auch: Wenn ein Märzenbier sauer wird (etwa durch ungepflegte Bierleitungen), mag keiner richtig weitertrinken davon; passiert das beim Weizenbier, wird das vielleicht durch eine Zitronenscheibe zu maskieren versucht, aber das ist eine andere Geschichte.

Reifung im Weinfass

Diese hier aber handelt von einem aus Gersten- und Dinkelmalz gebrauten Starkbier, das die Stiegl-Braumeister Christian Pöpperl und Markus Trinker im Vorjahr unter dem Namen "Sonnenkönig" eingebraut und vermarktet haben. Rund 650 Liter des ohnehin raren Bieres ließen sie weiter in Weinfässern, die vorher mit Spätburgunder und Cabernet belegt waren, reifen - und mit Milch- und Essigsäurebakterien nachreifen.

Nach neun Monaten war ein Teil der Säure wieder abgebaut und es entstand ein erfrischend-säuerliches Bier von rötlicher Farbe, bei dem ein Hauch von Süße unter der an Himbeeren und Weichseln erinnernden Fruchtigkeit durchscheint, bevor im Nachtrunk die Gerbstoffe aus den Fässern für ein sehr trockenes Finish sorgen.

"Faux Pas", also Fehltritt, heißt das Produkt - und es verkauft sich ganz und gar nicht "wie sauer Bier": Um 12,90 Euro je 0,3-Liter-Flasche gibt es nur noch Restbestände. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 26.9.2014)

  • Das Ergebnis der Reifung im Weinfass: Faux Pas, von dem es nur noch Restbestände gibt.
    foto: conrad seidl

    Das Ergebnis der Reifung im Weinfass: Faux Pas, von dem es nur noch Restbestände gibt.

Share if you care.