Restln essen

25. September 2014, 17:23
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Sofort alles aufessen oder Reste horten und später weiterverwerten

Pro
Von Mia Eidlhuber

Sie kennen das vielleicht: das milde Lächeln, das man erntet, wenn man die Reste vom Festessen in kleine Schüsseln verteilt und wieder in den Kühlschrank verfrachtet. Oh, heißt es dann belustigt, so direkt Nachkriegsgeneration sei man auch wieder nicht, dass man nichts wegschmeißen könne. Die Wahrheit für alle milden Lächler ist folgende: Wer heute noch Lebensmittel wegschmeißt, ist von gestern.

Jeder von uns, sagen Studien, wirft im Jahr 80 Kilo Lebensmittel weg. Mit ein bisschen Fantasie sehen wir diesen wachsenden Müllberg vor uns, den wir wiederum mit ein bisschen Fantasie vermeiden könnten. Diese Art Ressourcenschonung ist nicht nur Pflicht, sondern reines Vergnügen. Der Kochstress ist weg, so wie die Gäste vom Vortag hoffentlich auch. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen: Aus der Creme-Polenta eine Pizza, aus dem Fischfilet einen Aufstrich, aus den Erdäpfeln ein Gröstl, aus dem Roastbeef ein Sandwich. Selbst die Sauce tartare vom Vortag schmeckt noch einmal besser - und gar nicht von gestern.

Kontra
Von Gianluca Wallisch

Wie oft habe ich es schon probiert! Ich bin einfach nicht geboren zum Restlessen. "Was machen wir denn heute?" - "Wie wär's mit Palatschinken?" - "Sehr gut! Aber mach bitte, bitte diesmal mehr als sonst. Damit welche übrig bleiben für eine Frittatensuppe." - "Ja, klar, so wie immer ..." Soll heißen: Nichts wird übrig bleiben. Nicht eine einzige Pala.

Das Gleiche passiert mir auch ständig mit diesen herrlich duftenden Krautfleckerln ... So viel kann man gar nicht kochen, dass ich's nicht deressen könnt' unter normalen Umständen. Und diese treten praktisch immer ein.

Und auch bei Spaghetti aglio e olio & Co ist der Kampf ein gewonnener - oder verlorener, je nach Blickwinkel. Ich bin geradezu dazu verurteilt, auf ewig ein Restlessengegner zu sein. Dabei weiß ich aus Erzählungen, dass Krautfleckerln aufgewärmt viel besser sind als frische. Jetzt nehme ich mir es vor: Das nächste Mal hebe ich mir welche auf, damit ich mitreden kann. Fix. Noch während ich das schreibe, weiß ich: alles nur hohle Worte, fast wie ein Wahlversprechen. (Rondo, DER STANDARD, 26.9.2014)

  • Was tun mit dem, was übrigbleibt?
    foto: lukas friesenbichler

    Was tun mit dem, was übrigbleibt?

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