"San Ignacio" im Theater im Hundsturm: Eine Dschungeloper

23. September 2014, 16:58
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Wien - Sie wurden von Adolf Hitler, den Bourbonen, der Schweiz und auch von Papst Clemens XIV. verboten. Sie waren die Lehrer der geistigen Eliten Europas von Voltaire über (recht aktuell) Heiner Geissler bis zu Hubertus Hohenlohe, der aktuelle Papst Franzikus I. ist einer der Ihren: Genau, die Rede ist hier von den Jesuiten.

Die sendungsbewusste Societas Jesu missionierte in Fernost und Amerika, und sie förderte barocke Kunst. Mitunter fiel dann auch beides zusammen: So brachte etwa der 1655 in Tirol geborene Pater Anton Sepp bei seiner Missionstätigkeit in fernen Südamerika den dort ansässigen Guarani-Indios zeitgenössische europäische Musik näher. Gleichzeitig wurde der Musikunterricht mit Werbung für die eigene Sache verknüpft: Man schrieb dann, gemeinsam, Opern über die Lebensgeschichte von Heiligen.

Im Dschungel

Der österreichische Theatermacher Markus Kupferblum hat von seinem Besuch im bolivianischen Dschungel aus den dortigen jesuitischen Archiven ein solches Propagandawerk aus der Feder eines anonymen Komponisten mitgebracht. Und: Zusammen mit dem Dichter Bodo Hell und dem Musiker Renald Deppe hat er die Barockoper umgeschrieben, ergänzt, verheutigt zu dem großartigen Gesamtkunstwerk San Ignacio - eine Dschungeloper!

Das Leben des Gründers

Nun denn: Man erfährt dabei en passant die Lebensgeschichte des Ordensgründers Ignatius von Loyola (hier wundervoll verhärmt dargestellt von Ingala Fortange), sein Ringen mit der ewigen Dämonin Versuchung (mit schläfriger Sexyness à la Cher bei der Sache Ulla Pilz), sein urkatholisches Glück im Leiden.

Zwischen den barocken Arien und Musikfragmenten - die Cembalopartie lässt Renald Deppe, genial, am Hackbrett spielen - bricht Zeitgenössisches den hohen Ton, das Pathos der Opernmusik; zwischen dem hehren Schwarz der Priesterschaft bricht sich in den bunten Kleidern der Amazonen (die Kostüme stammen von Ingrid Leibezeder) die Lebendigkeit und Farbenpracht Südamerikas Bahn. Kurzum: Zu erleben ist eine tolle und wohltuende Sache, die man somit nur mit einer Empfehlung versehen kann. (Stefan Ender, DER STANDARD, 24.9.2014)

Theater im Hundsturm, 5., Margaretenstraße 166, 25.-28. 9., jeweils um 20.00

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