Media-Saturn will Rückstand bei Online-Offensive ausmerzen

23. September 2014, 14:20
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In 2 bis 3 Jahren sollen alle Standorte für Verzahnung zwischen Laden- und Internet-Verkauf gerüstet sein

Der Elektrohandelsriese MediaMarkt/Saturn ist online noch immer nicht so richtig durchgestartet. Die in Österreich schon vor zweieinhalb Jahren angegangene Verschmelzung zwischen den stationären Geschäften und dem Online-Handel sei für die Kunden noch nicht richtig sichtbar gewesen, räumte der neue Österreich-Chef der Ketten, Ditmar Krusenbaum, am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien ein.

"Ich glaube nicht, dass man immer im ersten Waggon sitzen muss."

Dass der Elektrohändler den Einzug ins Internet verschlafen hat, will Krusenbaum so nicht stehen lassen: "Ich glaube nicht, dass man immer im ersten Waggon sitzen muss. Hauptsache wir sitzen überhaupt drin." In Deutschland beginnt Media-Saturn erst jetzt mit der Verzahnung von online und offline. Österreich war für den Konzern der Testmarkt.

In den kommenden zwei bis drei Jahren sollen alle 47 heimischen MediaMarkt- und Saturn-Standorte so umgerüstet und modernisiert werden, dass die Multichannel-Strategie aufgeht - also die Verschmelzung zwischen online und offline. Wer im Internetbestellt, kann die Ware auch im Geschäft abholen. Im Geschäft gesehene Produkte kann man sich auch nach Hause liefern lassen.

12 Stunden persönlich

"Wir sind 24 Stunden verfügbar, 12 Stunden davon persönlich", sagte Krusenbaum. Alle Filialen sollen künftig mit Screens ausgestattet werden, auf denen Verkäufer und Kunden die Verfügbarkeit von Waren abfragen können. In den Filialen soll sich eine "optimale Vorauswahl" von Produkten befinden, aber nicht alle. Im Internet sollen über kurz oder lang alle bis zu 60.000 Produkte erhältlich sein. Derzeit sind es etwa 15.000. Der Webshop wird gerade überarbeitet. "Wir arbeiten auch an einer Möglichkeit, samstags zu liefern", kündigte Krusenbaum an. Ein Drive-in-Schalter, wie er in Deutschland gerade getestet wird, sei vorstellbar. "Man muss schauen, in welcher Filiale sich das umsetzen ließe."

Schritt für Schritt werden in den Filialen die Preisschilder von Papier auf elektronisch umgestellt. Das soll den Mitarbeitern viel Zeit ersparen. Das Ziel sei, dass die rund 2.800 Filial-Beschäftigten möglichst wenig im Backoffice arbeiten, sondern beim Kunden sind, so Krusenbaum.

Umsatz von etwa 1,1 Mrd. Euro rund 34 Mio. Euro Jahresgewinn

Im Geschäftsjahr 2012/13 hat die Kette in Österreich bei einem Umsatz von etwa 1,1 Mrd. Euro rund 34 Mio. Euro Jahresgewinn gemacht. Aktuelle Zahlen nannte Krusenbaum auf Nachfrage nicht. Er rechnet aber - begünstigt durch die Pleiten von Niedermeyer und DiTech - mit Marktanteilszuwächsen. Der Onlineanteil macht derzeit übrigens 9 Prozent vom Gesamtumsatz aus.

Hierzulande geriet die Elektrohandelskette zuletzt mit weniger erfreulichen Themen in die Schlagzeilen: Neben einer Geldstrafe der Wettbewerbshüter wegen Preisabsprachen wurde bekannt, dass die Beschäftigten der Kremser MediaMarkt-Filiale einer Taschenkontrolle sowie Leibesvisitation unterzogen wurden. Die Gewerkschaft war alarmiert. Mittlerweile hat sich das Klima zwischen den Arbeitnehmervertretern und dem Management der Kette verbessert. Es habe ein Gespräch gegeben, das konstruktiv war, und es sei ein weiteres Gespräch geplant, sagte GPA-Vize Karl Proyer. Media-Saturn-Chef Krusenbaum bezeichnete die Leibesvisitation als "Verfehlung eines einzelnen Menschen". Taschenkontrollen seien nicht per se verboten, wenn es dafür eine Betriebsvereinbarung gebe.

"Ich bin aber zuversichtlich, dass wir bald zu Betriebsräten kommen"

Derzeit hat nach wie vor keiner der 47 Standorte einen Betriebsrat. "Ich bin aber zuversichtlich, dass wir bald zu Betriebsräten kommen", sagte Gewerkschafter Proyer. "Wir verhindern das nicht", meinte dazu Krusenbaum. (APA, 23.9. 2014)

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