Partyschiff-Prozess in Wien: Zeugen belasten Polizei

24. September 2014, 05:30
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Drei Beobachter eines Polizeieinsatzes sagen aus, dass zwei junge Partygäste von der Exekutive brutal behandelt wurden. Videos widersprechen ihnen aber teils

Wien - Es sind heftige Anschuldigungen, die Richterin Olivia-Nina Frigo bei der Fortsetzung des Prozesses gegen Christof R. und Almuth G. um einen Polizeieinsatz auf dem Partyschiff von Zeugen zu hören bekommt.

"Die Polizei hat mich auch sehr schwer verprügelt", sagt Marc S., einer der Entlastungszeugen für das junge Paar, das nicht nur wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und schwerer Körperverletzung vor Gericht sitzt, sondern auch wegen Verleumdung der Exekutive.

Die Angeklagten hatten nämlich behauptet, nicht nur während ihrer Festnahme, sondern auch in Haft misshandelt worden zu sein.

Eskalation nach Partyende

Eine Darstellung, die Zeuge S. bei seiner Aussage bestätigt. Er war einer der Gäste auf dem Schiff, auf dem die Situation eskalierte, als Beamte eine Feier auflösten und R. damit nicht recht einverstanden war.

"Die beiden wurden brutalst auf dem Boden fixiert. Das waren schwere Misshandlungen an gefesselten Leuten", erinnert sich der Zeuge. Vier bis sechs Beamte hätten sich auf den liegenden R. gekniet, sagt der Mann beispielsweise.

"Sie haben ihn auch getreten. Aber versteckt, die wissen schon, wie man das macht", behauptet er. "Also haben Sie es jetzt gesehen, oder war es versteckt?", wundert sich die Richterin. "Das habe ich verdrängt und vergessen", weicht der 33-Jährige aus.

Er selbst sei später nämlich auch von Beamten gegen einen Müllwagen geschleudert und festgenommen worden, dieses Erlebnis sei so traumatisierend gewesen, dass er noch immer an Erinnerungslücken leide.

In Zelle uriniert

Zeuge S. beteuert auch, dass die Beamten in der Polizeiinspektion Deutschmeisterplatz den Gefangenen stundenlang Wasser und WC verweigert hätten. "Ich musste in der Zelle in die Ecke urinieren, das war extrem entwürdigend."

Zwei weitere Beobachter der Festnahme berichten ebenso, die Polizei sei "gewaltsamst" vorgegangen, die Zuseher seien "ziemlich fassungslos" über die Vorgänge gewesen. Polizisten hätten auch mit Pfeffersprayeinsatz gegen die aufgeregte Menge gedroht.

Von dem Vorfall gibt es auch mehrere Handy-Videos. Das Problem: Die vorhandenen Aufnahmen bestätigen die Aussagen der drei Zeugen nicht unbedingt.

Alle berichten nämlich, dass zwischen drei und sechs Beamte auf dem bereits fixierten Erstangeklagten gekniet seien - und er zwischen zehn und 15 Minuten auf den Boden gedrückt worden sei.

Nur: Auf den vorgeführten Filmen sieht man maximal zwei Beamte, die R. festhalten.

Ungereimtheiten bei Einvernahme

Umgekehrt zeigt Verteidiger Josef Wegrostek neuerlich eine erstaunliche Ungereimtheit auf. Beim letzten Termin sagte nämlich einer der Veranstalter der Feier auf dem Schiff aus.

Der Mann spricht allerdings nur rudimentär Deutsch, wie sich zeigte, und er will eigentlich nichts gesehen haben. In seinem Vernehmungsprotokoll der Polizei finden sich dagegen detaillierte Schilderungen in einwandfreier Schriftsprache.

Wegrostek beantragt daher seine neuerliche Einvernahme mit einem Dolmetscher und die beiden vernehmenden Beamten als Zeugen. Zusätzlich will er einen Lokalaugenschein. Da Richterin Frigo ohnehin noch eine neuerlich nicht erschienene Zeugin hören will, vertagt sie auf unbestimmte Zeit. (Michael Möseneder, derStandard.at, 23.9.2014)

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