"Handelsblatt" kritisiert Schächter-Gutachten für ORF

23. September 2014, 11:57
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"Vetternwirtschaft": Der ehemalige ZDF-Intendant bescheinigte dem ORF ein "überzeugendes Gesamtprogramm"

Wien - "Handelsblatt"-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar kritisiert in seiner Medienkolumne das Gutachten, das der ORF beim ehemaligen ZDF-Intendanten Markus Schächter in Auftrag gegeben hat.

Schächter pflege zu ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz seit vielen Jahren ein "enges Verhältnis", das sich jetzt "auszahlt", schreibt Siebenhaar. Von einem unabhängigen, unvoreingenommen Sachverständigen könne bei ihm keine Rede sein. Sein Befund über das Programm des ORF klinge nach Gefälligkeit. Schächter kommt beispielsweise zu dem Schluss: "Die Bilanz meines Gutachtens: Der ORF erfüllt 2013 die Qualitätsanforderungen des ORF-Gesetzes. Im Rahmen des ORF-Qualitätssicherungssystems wird in einer Weise wie selten in Europa Qualität gemessen und bewertet. Das Gesamtprogramm ist überzeugend."

Vorwurf der "Vetternwirtschaft"

Mit dem Gutachten setze sich Schächter dem Vorwurf der "Vetternwirtschaft" aus: "Denn im Grunde ist Schächter genau der Falsche für ein unabhängiges Gutachten über den österreichischen Gebührenrundfunk. Der Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst Erster Klasse pflegt ein viel zu enges Verhältnis zu ORF-Chef Wrabetz, als dass er wirklich unabhängig und unvoreingenommen die programmliche Leistung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Alpenrepublik bewerten könnte."

Schächter hätte den Auftrag gar nicht annehmen dürfen, argumentiert Siebenhaar. Das Gutachten wurde vorige Woche im Stiftungsrat präsentiert und ist Teil des "ORF-Qualitätssicherungssystems". (red, derStandard.at, 23.9.2014)

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