Kleinster Käfer Europas wird genetisch aufgeschlüsselt

23. September 2014, 10:12
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Winzling von nur 0,55 Millimeter Länge lebt in den Schwammporen von Pilz

München - Geht man nach der schieren Menge, dann bilden die Käfer wohl die erfolgreichste aller heute lebenden Tiergruppen. 25 Prozent aller bekannten Spezies sind Käfer, rund 400.000 Arten sind beschrieben und nach allgemein akzeptierter Schätzung warten weitere mindestens 600.000 auf ihre Entdeckung. Neben mit 17 Zentimetern Länge regelrechten Riesen gibt es auch wahre Winzlinge: Anfang des Jahres haben Experten des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum in Innsbruck die kleinste europäische Käferart auch in Österreich nachgewiesen.

Nun haben Münchner Wissenschafter den genetischen Code der als Baranowskiella ehnstromi bekannten Art entschlüsselt. Die Daten sollen unter anderem dabei helfen, die Lebensweise und Entwicklung der Käferart zu erhellen. Das zwergenhafte Insekt zählt zur Familie der Federflügler (Ptiliidae) und hat nur eine Länge von 0,55 Millimeter, seine Breite entspricht der eines menschlichen Haares. Er kann fliegen und ist in den Schwammporen von holzbesiedelnden Pilzarten wie zum Beispiel dem muschelförmigen Feuerschwamm anzutreffen.

Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen der Projekte "Barcoding Fauna Bavarica" und "German Barcode of Life", bei denen alle deutschen Tierarten genetisch erfasst und in einer globalen Online-Bibliothek für Interessierte zur Verfügung gestellt werden. Das Projekt ist Teil des internationalen Barcoding-Projektes iBOL mit Sitz in Kanada, welches das ehrgeizige Ziel verfolgt, alle Tierarten weltweit genetisch zu erfassen.

Erst 1997 in Europa entdeckt

Die Forscher der Zoologischen Staatssammlung München haben zuvor mehrere Exemplare des Käfers in Bayern entdeckt. Die Art ist erst seit 1997 in Europa bekannt und wurde durch den schwedischen Käferkundler M. Sörensson erstmals beschrieben. Mittlerweile gibt es auch Funde aus Norwegen, Dänemark, der Schweiz und aus Deutschland. Der Nachweis der Art für Bayern gelang dem Käferforscher Franz Wachtel, der dazu Baumpilze einsammelte und im Labor austrocknen ließ. Die Käfer sammelte er in einer darunter befindlichen Schale. (APA/red, derStandard.at, 23.09.2014)

  • Baranowskiella ehnstromi ist nur einen halben Millimeter lang. Nun haben Münchner Forscher seinen genetischen Code entschlüsselt.
    foto: apa/epa/zsm/zoological state collection/lars hendrich

    Baranowskiella ehnstromi ist nur einen halben Millimeter lang. Nun haben Münchner Forscher seinen genetischen Code entschlüsselt.

  • Der Zwergkäfer entzog sich lange dem Zugriff der Wissenschafter, weil  das winzige Tier in den Poren von Baumpilzen zuhause ist, von  deren mikroskopisch kleinen Sporen es sich ernährt. Hier bevorzugt es  vor allem den muschelförmigen Feuerschwamm, der wiederum parasitisch an  Weiden lebt.
    foto: franz wachtel

    Der Zwergkäfer entzog sich lange dem Zugriff der Wissenschafter, weil das winzige Tier in den Poren von Baumpilzen zuhause ist, von deren mikroskopisch kleinen Sporen es sich ernährt. Hier bevorzugt es vor allem den muschelförmigen Feuerschwamm, der wiederum parasitisch an Weiden lebt.

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