Israel schoss syrisches Flugzeug ab

23. September 2014, 18:04
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Nach "irrtümlichem Flug über Grenze" - Regierung im Syrienkonflikt ohne Favoriten

Das ist nicht unser Krieg", sagen israelische Militärs bei jeder Gelegenheit angesichts der Kämpfe in Syrien. Israel habe bloß die Grenzbarriere auf den Golanhöhen ausgebaut und die Truppen in dem Abschnitt verstärkt, beobachte das Geschehen und werde nur eingreifen, "wenn unsere eigenen Interessen betroffen sind".

Das trat nach israelischer Sicht gestern, Dienstag, ein, als ein syrisches Suchoi-24-Kampfflugzeug 800 Meter weit in den israelischen Luftraum eindrang und durch eine Boden-Luft-Rakete heruntergeholt wurde - das erste Mal seit 1985, dass Israel eine bemannte syrische Maschine abgeschossen hat. Ein Zufall war es wohl, dass das genau an dem Tag passierte, an dem eine von den USA geführte internationale Allianz weiter nördlich IS-Stellungen angriff.

Ein syrischer Pilot, der eigentlich Rebellen bei der Stadt Kuneitra bombardieren sollte, hatte offenbar irrtümlich eine Schleife über Israel geflogen. "Das syrische Regime hat es jahrzehntelang nicht gewagt und wird es sicher gerade jetzt nicht wagen, etwas zu tun, was uns provoziert", sagte Etan Ben-Elijahu, ein früherer Kommandeur der israelischen Luftwaffe.

Feinde auf beiden Seiten

Der syrische Bürgerkrieg wird auch unmittelbar vor der Nase der Israelis ausgetragen, wobei die islamistische Al-Nusra-Front in den Dörfern hart an der Demarkationslinie auf dem Golan jetzt die Oberhand hat. Einer ihrer Vorstöße hatte im Sommer 2013 den hastigen Abzug der österreichischen UN-Soldaten ausgelöst. Sporadisch schlugen in den letzten zwei Jahren verirrte Gewehrkugeln und Artilleriegeschoße auf der israelischen Seite ein, worauf die Israelis punktuell zurückschossen. Einige Male hat die israelische Luftwaffe tief im Inneren Syriens angegriffen, wobei vermutlich Waffenlieferungen an die libanesische Hisbollah unterbunden werden sollten.

Die Israelis wissen indes nicht, welcher Ausgang ihnen lieber wäre: Ihrem Erzfeind Assad, der eine Achse mit dem Iran und der Hisbollah bildet, würden sie keine Träne nachweinen. Aber wenn eine der Islamistengruppen an die Macht käme, wäre das auch keine Verbesserung. In der Koalition gegen die IS ist Israel schon deswegen nicht offiziell dabei, weil es dazu nicht eingeladen wurde. Viel wichtiger ist, dass sunnitisch-arabische Staaten mitmachen, und die könnten natürlich nicht gemeinsam mit Israelis gegen andere Araber kämpfen.

Man darf aber annehmen, dass Israel den Krieg gegen die IS diskret unterstützt. Premier Benjamin Netanjahu hatte sich dafür ausgesprochen, "einen gemäßigten, stabilen Staat wie Jordanien" gegen den Islamismus zu verteidigen und Kurden zur Unabhängigkeit zu helfen. Durch die Formel "Die Hamas ist IS, IS ist die Hamas" verknüpft er Angriffe in Gaza mit jenen in Syrien. Genau wie die IS, so das Argument, strebe die Hamas die "Herrschaft des Islam" an. (Ben Segenreich aus Tel Aviv, DER STANDARD, 23.9.2014)

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