Karmasin für schnellere Rückkehr nach Karenz

23. September 2014, 08:35
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Arbeitsgruppe zu Kindergeldreform startet am 1. Oktober - Auch Langvariante soll "offen" diskutiert werden

Wien/Kopenhagen - Ein Jahr daheim beim Kind zu bleiben wird in Dänemark schon als eher lang gesehen - und auch Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) hat sich als Ziel gesetzt, dass Frauen nach der Karenz früher in den Beruf zurückkehren als jetzt. Zwar sollen die bestehenden Kindergeldmodelle ab 1. Oktober in einer Arbeitsgruppe "offen" diskutiert werden, "Radikallösungen" wolle sie aber nicht, versicherte sie.

Kinder in Betreuung

"Wir glauben, ein Jahr ist eine lange Zeit", erzählt eine Mutter der Ministerin am Montag in der Residenz des österreichischen Botschafters in Kopenhagen. Es sei schon "sehr seltsam", wenn man länger als ein Jahr beim Kind bleibe, pflichtet eine andere bei, Teilzeitarbeit ist eigentlich kein Thema. 93 Prozent der Kinder zwischen zwölf und 24 Monaten sind in Dänemark in Betreuung, in Österreich sind es 19,5 Prozent. In Dänemark, das als eines der familienfreundlichsten Länder gilt, haben Vater und Mutter insgesamt rund ein Jahr Anspruch auf bezahlte Karenzzeiten, in Österreich dauert der längste Kinderbetreuungsgeldbezug 36 Monate. Im Regierungsprogramm ist allerdings eine Reform des Kindergelds vorgesehen, Ergebnisse der nun startenden Arbeitsgruppe erwartet sich Karmasin im Frühling, wie sie vor mitgereisten österreichischen Journalisten erklärte.

Zu lange vom Arbeitsmarkt weg

Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, Bezugsmöglichkeiten zu kürzen, meinte Karmasin, "das muss man sich anschauen". Die Langvariante sei die beliebteste, aber je länger man vom Arbeitsmarkt weg sei, "desto schwieriger wird's", gab sie zu bedenken. Zwar müsse man gewisse "Befindlichkeiten" berücksichtigen, doch will Karmasin auch beim längsten Modell die "Vor- und Nachteile genau hinterfragen", wie sie auf Nachfrage sagte. Auf ein Jahr wie in Dänemark will sie die Karenz aber nicht drücken: "Man kann nicht Radikallösungen anstreben." Ziel sei ein früherer Wiedereinstieg, etwa nach zwei Jahren - Wahlfreiheit sei aber wichtig, betonte sie.

Rechtsanspruch

Ein Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem sechsten Lebensmonat ist für Karmasin derzeit kein Thema, bekräftigte sie: Zunächst gehe es um den Ausbau der Betreuungsplätze, wo man jetzt auf dem Weg sei, aber noch "einen großen Schritt" vor sich habe. Langfristig wolle sie einen Rechtsanspruch nicht ausschließen - wenn schon, könne man dann über einen Anspruch ab zwei Jahren nachdenken. Sehr wohl Thema bei der Kindergeldreform ist die Väterbeteiligung, hob Karmasin abermals die Idee eines Bonus hervor: Wenn sich Mutter und Vater die Betreuung 50:50 teilen, könnte es beispielsweise mehr Geld geben.

Sozialpartner für bessere Frühförderung

Die Sozialpartner haben sich am Dienstag indes mit Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) über die Anforderungen an eine Bildungsreform ausgetauscht. Gewerkschaftsbund (ÖGB), Arbeiterkammer (AK), Wirtschaftskammer (WKÖ), Landwirtschaftskammer (LK) sowie Industriellenvereinigung (IV) machten sich dabei u.a. für Verbesserungen in der Frühförderung stark.

So pochten ÖGB und AK auf die rasche Einführung eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahrs, die IV forderte dazu neben dem Alter entsprechenden Betreuungsverhältnissen auch eine "adäquate Ausbildung" der dortigen Pädagogen sowie ein durchgängiges Sprachbildungs- und Förderkonzept. Im Schulbereich wiederholten ÖGB und AK ihre Forderung nach einer Reform des neunten Pflichtschuljahrs; AK-Präsident Rudolf Kaske erinnerte in dem Zusammenhang an den Wunsch der Sozialpartner, dass im Sinne einer "Bildungspflicht der Schule" alle Jugendlichen Mindeststandards erreichen müssten.

WKÖ-Chef Christoph Leitl plädierte zudem für mehr Unterstützung der Schüler bei der Entscheidung zwischen 200 Lehrberufen, einer Vielzahl berufsbildender mittlerer und höherer Schulen und AHS-Oberstufe. Daher solle auch an den AHS-Unterstufen Berufsorientierung als Fach eingerichtet und die Schüler per "Talentecheck" über ihre Stärken informiert werden. (APA, 23.9.2014)

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