Österreich wächst um 9,5 Milliarden Euro

23. September 2014, 09:15
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Neue Statistikvorgaben lassen die österreichische Wirtschaftsleistung um drei Prozent ansteigen - Forschungsausgaben stärker eingerechnet

Wien - Die Konjunkturlage trübt sich ein, doch die Statistik Austria hat am Montagabend der heimischen Wirtschaft zumindest einen statistischen Schub verpasst. Die Wirtschaftsleistung Österreichs lag gemäß der neuen Berechnung im Jahr 2013 bei 322,6 Milliarden Euro. Das sind um 9,5 Milliarden Euro mehr als mit der alten Berechnung. Damit macht das BIP einen statistischen Sprung von drei Prozent.

Dieser Sprung geht auf eine Reform der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zurück. In der neuen Fassung (ESVG 2010) werde einigen Trends der vergangenen Jahre Rechnung getragen, betonte Konrad Pesendorfer, Leiter der Statistik Austria, am Montagabend bei der Präsentation der neuen Zahlen: "Die Bedeutung von Forschung und Entwicklung hat etwa in den vergangenen Jahren zugenommen, das versucht man nun statistisch besser abzubilden." Ab September 2014 ist die neue Berechnungsgrundlage für europäische Länder verpflichtend.

Was hinter der BIP-Revision steckt

Einen wichtigen Anteil am Leistungsschub haben die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die künftig als Investitionen in das BIP eingerechnet werden. Sie erhöhen das BIP um 7,6 Milliarden Euro.

Ansonsten ist das BIP vor allem durch ein rechnerisches Wachstum des Staatssektors gewachsen. Nahezu alle öffentlichen Spitäler sowie die Verkehrsbetriebe der ÖBB Infrastruktur, des ÖBB Personenverkehrs und die Wiener Linien gelten in der neuen BIP-Berechnung nicht mehr als "Marktproduzenten". Das sind Unternehmen, die zumindest fünfzig Prozent ihrer Kosten mit Umsätzen decken und nicht auf Gebühren oder Steuereinnahmen angewiesen sind.

Weil aber künftig die Zinsen für Fremdkapital auch als Kosten zählen, fallen einige Betriebe unter die 50-Prozent-Schwelle. Damit gehen in der BIP-Berechnung ihre Kosten ein.

Schattenwirtschaft treibt Entwicklung anderswo

In anderen EU-Ländern hat vor allem die stärkere Berücksichtigung der Schattenwirtschaft zu einer Anhebung der BIP-Schätzung nach dem ESVG 2010 geführt, so etwa in Italien. In Österreich wird hingegen schon lange "zugeschätzt", welchen Beitrag illegale Prostitution, Drogengeschäfte oder Schwarzarbeit auf das BIP haben. Diese Posten machen rund 3,6 bis 3,9 Prozent der Wirtschaftsleistung aus.

Wachstum mau

Die Konjunktur in Österreich hat sich im vergangenen Jahr nach den neuen Zahlen stärker abgekühlt als zunächst erwartet. Das BIP stieg 2013 nur um 0,2 Prozent, wie das österreichische Statistikamt am Dienstag mitteilte. 2012 wuchs die Wirtschaft noch um 0,9 Prozent. Der einzige nennenswerte Wachstumsimpuls kam laut Pesendorfer von den Nettoexporten, der private Konsum stagnierte hingegen und die Investitionen schrumpften real sogar. (sulu, derStandard.at, 23.9.2014)

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