Ebola: Mehr als 20.000 Infizierte bis Anfang November

23. September 2014, 14:55
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Bisher wurden 5.762 Patienten registriert, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen

Freetown/Conakry/Monrovia/Genf - Die Lage in den vom Ebola-Virus heimgesuchten Ländern in Westafrika ist verheerend. Schon bald müsse man mit Tausenden Infizierten pro Woche rechnen, bis Anfang November würden sich mehr als 20.000 Menschen angesteckt haben, hieß es am Dienstag in einer Studie der WHO und des Imperial College in London. Die USA, Deutschland und Frankreich wollen ihre Hilfsmaßnahmen koordinieren.

Ausgebrochen ist die Krankheit im vergangenen Dezember in den Präfekturen Gueckedou und Macenta in Guinea. Doch erst am 23. März wurde die Epidemie der WHO bekannt. Die neue Studie ist am Dienstag im "New England Journal of Medicine" erschienen.

Bald jede Woche tausende Tote

Während die Krankheit in Nigeria und im Senegal derzeit weitgehend unter Kontrolle scheint, ist die Lage in Guinea, Liberia und Sierra Leone katastrophal. "Projektionen für die Zukunft legen nahe, dass diese drei Länder bald schon jede Woche Tausende von Infizierten und Toten melden werden, solange die Gegenmaßnahmen nicht schnell verbessert werden", sagte Christopher Dye, WHO-Strategiedirektor und Co-Autor der Studie.

Die Daten im einzelnen laut der WHO: Am 26. Dezember dürfte ein zweijähriger Bub aus dem Grenzgebiet zwischen Guinea, Sierra Leone und Liberia (Meliandou/Guinea) der erste Kranke gewesen sein. Die Menschen dort sind auf Bushmeat angewiesen. Wahrscheinlich wurde das Ebola-Virus von Fledermäusen bzw. Flughunden auf Antilopen und Eichkätzchen übertragen, zu den Infektionen beim Menschen dürfte es über die Zubereitung des Fleisches gekommen sein. Es gibt in der Region starke Wanderungsbewegungen der Menschen, die nach Arbeit suchen. Drei Monate - so die WHO - blieb die auftauchende Seuche unerkannt. Die größten Schwierigkeiten bereiten die Armut und Gewaltakte die von einer verängstigten Bevölkerung ausgehen.

Begräbnisse gefährlich

In Sierra Leone wiederum war der erste bestätigte Fall eine Schwangere, die in Kenema nach einer Fehlgeburt ins Spital kam und Anfang Mai starb. Dort erkrankte auch ein in der Bevölkerung verehrter traditioneller Heiler. Bei dem Begräbnis waren Hunderte Menschen anwesend. Insgesamt konnten allein mit diese Beerdigung rund 365 Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. In Sierra Leone werden 60 Prozent der Ebola-Erkrankungen mit Begräbnissen in Verbindung gebracht. In dem Land werden dringend mehr Behandlungsmöglichkeiten benötigt. Außerdem geht es darum Begräbnisse sicherer zu machen.

Als derzeit "stabil" wird von der WHO die Situation in Nigeria und Senegal angesehen. Als die Krankheit am 20 Juli von einem Reisenden eingeschleppt wurde, gelang es, alle Kontaktpersonen zu finden und eine weitere Ausbreitung in Lagos und Port Harcourt zu verhindern. Ähnliches gelang in Senegal. Davon zu unterscheiden war bisher der Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo in der Region Boende, der bisher siebente in diesem Land. Er hat offenbar nichts mit jenem in Westafrika zu tun. Das betroffene Gebiet ist auch extrem schlecht zu erreichen. Die Helfer sind auch mit Kanus, Motorrädern und Geländewagen unterwegs, weil es dort nur unbefestigte Straßen gibt. Auch dort steigt die Zahl der Fälle an.

Gesundheitssysteme "völlig überlastet"

Der Ebola-Ausbruch in Westafrika könnte allerdings auch den Kampf gegen weitere Tropenkrankheiten bremsen. "Die Gesundheitssysteme in den betroffenen Regionen sind durch Ebola völlig überlastet", sagte Jürgen May vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin am Dienstag in Berlin. Die Bekämpfung von Krankheiten wie Lepra oder Dengue-Fieber stehe ebenfalls an der Kippe.

Nach den aktuellen Daten der WHO wurden in Westafrika bis 18. September 5.762 Ebola-Patienten gemeldet. 2.793 Menschen sind gestorben.

Auf Basis ihrer Daten konnten die Wissenschafter auch Aussagen über den Verlauf der Krankheit treffen. "Die Analyse zeigt, dass bis 14. September 70,8 Prozent der Patienten mit eindeutigen Befunden gestorben sind", sagte WHO-Spezialist Dye. Diese Quote sei in Guinea, Liberia und Sierra Leone ungefähr gleich. Angesichts der Ebola-Epidemie in Westafrika hat Liberia Montagabend gar vor einem Zusammenbruch des Staatswesens und einem Rückfall in Bürgerkriege gewarnt. Es drohe der Zusammenbruch der Gesellschaft, sagte der liberianische Informationsminister, Lewis Brown. (APA, 23.9.2014)

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