Das abendliche Lagerfeuer brachte uns die Kultur 

22. September 2014, 21:08
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Sozialisation am Lagerfeuer könnte der Grundstein für die Entwicklung gesellschaftlicher Strukturen und kultureller Institutionen gewesen sein

Washington - Das abendliche Lagerfeuer hat maßgeblich zur Entwicklung der menschlichen Kultur beigetragen. Davon geht die US-Anthropologin Polly Wiessner von der University of Utah aus, die ein halbes Jahr lang die Tagesabläufe von Buschmännern verfolgt hatte. Ihre These: Die Kontrolle des Feuers vor etwa zwei Millionen Jahren verlängerte den Tag der frühen Menschen.

Am abendlichen Feuer konnten sich die Jäger und Sammler der Gemeinschaft widmen, ohne die produktiven Aktivitäten des Tages zu vernachlässigen. Es sei somit ein wichtiger Grundstein für die Entwicklung von gesellschaftlichen Strukturen und kulturellen Institutionen gewesen, schreibt Wiessner im Fachblatt "PNAS". Das Feuer brachte neben den abendlichen Gesprächen vor allem auch den Vorzug von erhitzten Speisen und trug zum Schutz vor Raubtieren bei.

Kulturelle Normen und Werte

Für ihre Studie beobachtete Wiessner über ein halbes Jahr die Tagesabläufe der Ju/'hoansi in Botsuana und Namibia. Dabei stellte sie fest, dass etwa 75 Prozent aller Gespräche am Tage der Organisation von Arbeit beziehungsweise der Regelung von sozialen Beziehungen galten.

In den Abendstunden wechselten die Themen deutlich. 81 Prozent der Unterhaltungen drehten sich nun um die Erlebnisse des Tages. Außerdem wurde getanzt und gesungen, Geschichten wurden erzählt. Auch religiöse Zeremonien spielten eine große Rolle.

Am abendlichen Lagerfeuer würden demnach kulturelle Werte und Normen gefestigt und weitergeben, auch an Menschen aus anderen Kulturen. Wiessner sieht ihre Beobachtungen als ein Indiz dafür, welche großen Auswirkungen die Kontrolle des Feuers auf die soziale und kulturelle Evolution gehabt haben könnte.

Schlechte Quellenlage

Eins zu eins auf frühzeitliche Gemeinschaften lassen sich die Beobachtungen moderner indigener Völker natürlich nicht übertragen. Dafür lässt sich die urzeitliche Lebenswirklichkeit einfach zu schlecht rekonstruieren. Schriftliche Quellen gibt es keine und archäologische Funde geben vor allem Einblick in das "Arbeitsleben". Entsprechend wenig wissen die Forscher über die Religion dieser Menschen, das gesellschaftliche Gefüge oder den Kontakt zwischen unterschiedlichen Gruppen.

Auch die meisten Studien zur Bedeutung von Feuer für die frühen Menschen beschäftigen sich eher mit praktischen Fragen wie der Auswirkung auf die Ernährung und den damit verbundenen evolutionären Folgen. (APA/red, derStandard.at, 22.9.2014)

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