ORF-Serie "Steintaler": Sippenhaftung

22. September 2014, 17:18
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Auf dem Weg nach Monty Python bleiben die Steintaler also diesseits von Michael "Bully" Herbig. Das ist trist

Die Steintaler - das ist keine neue Volksmusikgruppe aus Innervillgraten, sondern eine seit vier Jahren vor der österreichischen Weltöffentlichkeit versteckt gehaltene ORF-Serie mit Helden aus dem Ötzi-Zeitalter. Gehüllt in pelzige Kutten, mit filzigen Perchtenhaaren und schön aufgemalten Dreckspritzern zieht hier ein Homo-sapiens-Trupp durch die Wälder des Altpaläolithikums.

Das hat sich eine namhafte Riege österreichischer Schauspielerinnen und Schauspieler nicht entgehen lassen: Cornelius Obonya, Günter Franzmeier, Christian Strasser, Angelika Niedetzky, Ulli Maier oder Michael Dangl geben hier als wandelnde Krautscheuchen ihr Komik-Bestes. Letzterer ist mit selbstgebastelten Stöckelschuhen unterwegs und legt auch sonst Wert auf Stil.

Handlung: Die Waldmenschen treffen mit ihrem wuschelköpfigen Anführer (Gregor Bloeb) im idyllischen Steintal unvorbereitet auf eine matriarchalisch geführte Sippe von bereits ansässigen Dorfmenschen. Irgendeine Susi hat bei denen soeben den Pflug erfunden!

Ist es sinnvoll, ein vier Jahre altes Produkt (gedreht wurde 2010) wie dieses auf den Fernsehmarkt zu bringen? Eher nicht, aber man kann es ja einmal versuchen.

Die jeweils zirka 23-minütigen Folgen (Drehbuch: Rupert Henning, Michael Riebl), die seit einer Woche zur Dienstagnacht auf ORF 1 gehören, bedienen mit ihrem Kabarettslang ("der vertrottelte Wald sieht überall gleich aus") und ihren Dillo-Figuren allerdings zu sehr das schon längst und viel zu ähnlich Dagewesene.

Auf dem Weg nach Monty Python bleiben die Steintaler also diesseits von Michael "Bully" Herbig. Das ist trist. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 23.9.2014)

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    foto: orf/dor film/anjeza cikopano
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