Stehpartie mit ein paar Glanztönen

22. September 2014, 16:55
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"Don Carlo" wieder an der Wiener Staatsoper

Wien - Vor ein paar Jahren ist es sogar bei einer Staatsopernpremiere passiert: Man gab Wagners Walküre, es dirigierte Franz Welser-Möst, Direktor war Ioan Holender, und Juha Uusitalo sang den Wotan - bis ihn die Stimme verließ. Man fand damals Oskar Hillebrandt, der im abendlichen Wien nichtsahnend unterwegs war, um sich eine Pizza zu organisieren. Am rechten Bühnenrand sang Hillebrandt schließlich zu Ende, während Uusitalo stumm die Wotan-Ideen von Regisseur Sven-Eric Bechtolf umsetzte.

An eben diesem Platz stand am Sonntag nach der Pause von Verdis Don Carlo auch Sorin Coliban. Giacomo Prestia hatte sich als Philipp II. schon zu Beginn ansagen lassen und kam respektabel über die ersten Runden, bis es eben nicht mehr weiterging. Wie seinerzeit Uusitalo vermittelte er tonlos die Qualen eines Monarchen, während Coliban ebendiese energisch besang und die Vorstellung rettete. Für die szenische Qualität war die aus der Not geborene Rollenteilung kein Problem, sie fiel eigentlich gar nicht auf.

Bis auf ein paar schmucke Lichteffekte huldigt die Regie von Daniele Abbado nämlich eher der totalen Reglosigkeit - in einer unfreiwillig erheiternden Weise. Roberto Alagna (als Don Carlo) hielt sich (wie alle anderen) leider an das Konzept, sang an entscheidenden Glanzstellen jedoch immerhin mit strahlender, metallischer Intensität, während Adrianne Pieczonka (als Elisabeth) auch innige Momente bescherte. Ebendies gelang punktuell auch George Petean (als Rodrigo).

Zur musikalischen Impulsivität des Abends trug aber Monika Bohinec (als Eboli statt Elena Maximova) ebenso bei wie Jongmin Park (als Mönch / Karl V.) und Ain Anger (als Großinquisitor). Natürlich auch Dirigent Alain Altinoglu - mit einem vitalen Staatsopernorchester. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 23.9.2014)

25. 9. (18.30), 28. 9. und 2. 10. (18.00)


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