Die Geschichtenerzähler: Das Duo"deForm" aus Prag

25. September 2014, 15:45
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1. Design muss einen Mehrwert haben

Eine Geschichte erzählen, das wollen die beiden Designer Václav Mlynár und Jakub Pollág vom Studio "deFORM", das in Prag und London ansässig ist. An der Akademie der Künste in Prag sowie am Londoner College of Art ausgebildet, geht es den Gestaltern darum, Objekten einen Mehrwert zu verleihen, etwas, das ein Produkt erhöht, zum Beispiel ein zeitgenössisches Phänomen reflektiert und gleichzeitig in die Atmosphäre passt, in der es zum Einsatz kommt. Ihre Fahrradhelme erinnern zum Beispiel an eine andere Art der Fortbewegung, nämlich an Jockeys beim Pferderennen. Apropos Atmosphäre: Pollág würde am liebsten ein Raumschiff entwerfen, Mlynár einen Raumanzug für einen Pandabären.

2. Die Funktion soll klar sichtbar sein

Die Objekte von "deForm" zeigen auf ehrliche, manchmal etwas raue Art und Weise, was sie sein sollen, Trends zu entsprechen ist das ihre nicht. Auch wird nichts versteckt, die Funktionsweise sichtbar zu machen ist oberstes Gebot. Gutes Beispiel dafür ist ihr Kindermöbel "Play chair ", das aus 15 Teilen besteht. Mit diesen kann man Türme ebenso bauen wie einfach darauf sitzen. Es ist also Spielzeug, Möbel und Stauraum zugleich. Von diesem Zugang überzeugt ist auch die Kundschaft: Dazu gehören Nike, Heineken, Dupont Corian oder die Londoner Einrichter namens "19 Greek Street ".

3. Langlebigkeit heißt die Herausforderung

"Wir möchten, dass unsere Objekte den Kunden genau die Freude bereiten, die wir beim Entwerfen haben. " Und die Freude soll möglichst lange anhalten, denn den beiden geht es auch darum, mit ihren Entwürfen der Schnelllebigkeit zu trotzen. Bei ihrer Arbeit ist ihnen auch die Materialwahl ein besonders wichtiges Anliegen. Ob Holz, Glas oder Metall, je nach Objekt, soll auch das Material den Charakter von Langlebigkeit ausstrahlen. Und wen wundert 's, dass sie als Lieblingsmaterial mundgeblasenes Glas nennen, schließlich ist Tschechien in Sachen Glasdesign noch immer eine Supermacht. Von "deForms " Freude an der Arbeit ließ sich auch so manche Wettbewerbsjury anstecken: 2013 werden sie als beste junge Designer Tschechiens ausgezeichnet, außerdem staubten sie den internationalen Preis in der Kategorie "Junge Talente " der Elle Décoration ab.

4. Input kommt aus dem Internet

Jakub Pollág ist sich dessen bewusst, dass der Einfluss des Internets auf ihre Arbeit größer ist als je zuvor. "Wir sind die erste Generation, die mit der ganzen Power der Information bis in die Fingerspitzen groß geworden ist. " Darin sehen die zwei Tschechen auch einen Grund, warum Design in den Medien immer stärker zum Thema wird. Auch interessiere sich das Publikum mehr und mehr für die Person des Entwerfers hinter einem Produkt. "Die Menschen feiern große Designer mehr und mehr als Superstars, so wie Leute aus anderen massenmedientauglichen Disziplinen ", sagen die zwei. Doch aufgepasst: Das größte Missverständnis in der Welt des Designs liegt für die beiden in der Annahme, ein großer Name garantiere automatisch gutes Design und damit das große Geld.

5. Leder ist das Material der Stunde

Bei der Vienna Design Week werden Václav Mlynár? und Jakub Pollág mit einem Projekt vertreten sein, das sie beim Wiener Maßschuhmacher Rudolf Scheer & Söhne präsentieren. Inspiriert vom Material Leder schufen die beiden Designer einen Lounge-Sessel, Taschen und Wandspiegel, die vor allem auf die Bedeutung von Präzision im Handwerksbereich und die lange Lebensdauer des Materials aufmerksam machen sollen. (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 26.9.2014)

Rudolf Scheer & Söhne
Bräunerstraße 4
1010 Wien

26. 9. bis 4. 10.

www.studiodeform.com

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Vienna Design Week: Die achte Auflage des Designfestivals findet vom 26. September bis zum 5. Oktober statt. Gut 100 Veranstaltungen an 70 verschiedenen Orten widmen sich der Themen Porduktgestaltung, Industrie-, Social- und Kommunikationsdesign. Neu dabei: Architektur-Specials.

www.viennadesignweek.at

  • Selbsporträts mit einigen ihrer Entwürfe machten auch die tschechischen Designer Václav Mlynár und Jakub Pollág (rechts), deren Studio "deForm" heißt. Hier posieren sie mit ihrem Fahrradhelm für die Firma "Krust".
    foto: deform

    Selbsporträts mit einigen ihrer Entwürfe machten auch die tschechischen Designer Václav Mlynár und Jakub Pollág (rechts), deren Studio "deForm" heißt. Hier posieren sie mit ihrem Fahrradhelm für die Firma "Krust".

  • Mit Wanduhr
    foto: deform

    Mit Wanduhr

  • Die Gläser haben sie für den Hersteller "Bomma" entworfen.
    foto: deform

    Die Gläser haben sie für den Hersteller "Bomma" entworfen.

  • Der "Playchair" ist Spielzeug und Stauraum zugleich.
    foto: deform

    Der "Playchair" ist Spielzeug und Stauraum zugleich.

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