BMW R 1200 RT: Brücken können auch entzücken

Ansichtssache22. September 2014, 17:19
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BMW macht den Reiseboxer, die RT, agiler und sportlicher. Kommod ist sie trotzdem. Auch im Soziusbetrieb

foto: bmw

Was für ein Wochenende. Mehr als 20 Gräder. So viel zweirädriges Wetter haben wir seit Wochen nicht mehr gehabt. Damit der Jackpot perfekt ist, steht in der Garage gerade die BMW R 1200 RT. Die Reisemaschine mit dem Boxermotor aus der GS. 125 PS, 125 Newtonmeter.

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Natürlich hat BMW bei der Sonderausstattung für das Test-Eisen wieder in die Vollen gegriffen: Comfort-Paket mit verchromten Auspuff, Zentralverriegelung und Alarmanlage: 647 Euro. Touring-Paket mit Dynamic ESA, Sitzheizung und Tempomat: 1068 Euro. Dynamic Paket mit Tagfahrlicht, Berganfahrhilfe Hill Start Control, Headlight Pro und Fahrmodi Pro: 269 Euro. Mopedradio 849 Euro, Navi, Topcase mit Innenbeleuchtung und Bremsleuchte… Unterm Strich stehen dann 24.436 Euro für ein Motorrad, das Liste ab 20.350 Euro kostet.

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Was macht man mit einem Motorrad, das teuerer ist, als die meisten Autos, die daneben in der Garage stehen? Einedrahn. Bei der Reißerischen, der Gattin. Weil die Kombination aus Wetter und Eisen gehört ausgenutzt. Zum eigenen Vorteil.

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Normalerweise pilotiert die Reißerische die Eisen, auch die schweren, gerne selber. Diesmal lassen wir sie auf den Sozius kraxeln, pflanzen sie zwischen die drei Koffer und sie fühlt sich richtig wohl. Sie mag es, wenn sie sich am Topcase anlehnen kann – nicht an der Wampe klammern muss. Wenn sie mitfahren muss, mag sie es entspannt statt gehetzt. Und dafür ist die RT wie geschaffen.

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Die Kurbelwelle und der Generator mit mehr Schwungmasse machen den Lauf des Boxers ruhiger. Das ESA auf zwei Personen ohne Gepäck gestellt. Am Radio ihren Lieblingssender eingestellt. Und schon fahren wir in Richtung Hainburg, bis zur und über die Donaubrücke. Der Weg da raus hat den Vorteil, dass man nicht unzählige Kurven fahren muss. Es gibt ein paar hübsche Häuser am Weg, richtig schöne Villen, und wir machen sogar einen Abstecher in die Donau-Auen. Richtig romantisch halt.

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Ganz entspannt cruisen wir von Ortschaft zu Ortschaft. Mit dem Windschild, das man auf Knopfdruck aufstellt, wirken die hohen Tempi extrem harmlos. Der Windschutz ist enorm. Eigentlich zu gut, um auf die Reißerische Eindruck zu machen. Weil noch kommoder als im Auto darf es dann doch nicht sein.

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Sie soll schon ein wenig von der neuen Sportlichkeit der RT mitkriegen. War die RT bis jetzt die Alt-Herren-Tourer, ein Schaukelpferd für die Autobahn, ist sie jetzt viel agiler. Klar, mit ihren 274 Kilogramm ist die vollgetankte BMW alles andere als ein Leichtgewicht. Das merkt man auch beim Rangieren. Nicht aber beim Fahren. Kaum rollt das Boxermonster, muss man, etwa in der Stadt, aufpassen, dass man nicht vergisst, dass man auf jeder Seite noch einen Koffer picken hat und nicht einfach zwischen zwei Kolonnen durchsetzen kann.

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Sonst sind die Koffer aber ideal. Sie schlucken unsere Vollvisier-Helme – und sind dann immer noch halb leer. Das ist dann aber auch das Einzige was die Reißerische beeindruckt. Sonst wirkt sie einfach nur zufrieden, als wir am Abend wieder zu Hause in der Garage einreiten. Dürfte schwer pipifein für sie gewesen sein. Ich glaub, es war der Durchzug, von unten raus, der sie in den Bann gezogen hat, das stoische Kurvenverhalten der RT und die Leichtigkeit, mit der man sie auch bei Schrittgeschwindigkeit noch zwischen Hindernissen durchdirigiert. Aber fragen wir sie lieber selbst, nach ihrer Meinung:

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Zweite Meinung:

Ich glaub, jetzt hat ihm wer einen Kübel Wasser in den Sicherungskasten geleert. An dem Traumwochende führt er mich mit der neuen RT nach Hainburg aus. Donaubrückenhatzerl. Schnürlgrad fahren wir der Donau entlang, über die Bruckn und wieder zurück. Ich mein, wie viel langweiliger geht es denn noch? Die einzige Abwechslung war, dass er sich in den Donauauen sicher ein gutes Duzend Mal verfahren hat. Dabei merkt man sogar hinten auf der RT, dass sie nach Kurven giert, Schräglage und Gas.

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Mit der Traktionskontrolle kommt selbst ein Nudler wie der glu flott durch eine Kurve. Aber nein, zwei gerade Bundesstraßen hat er ausgesucht. Das Schönste an der ganzen Reise war die Ankunft daheim. Da ist mir dann sogar fast ein Lächeln über die Lippen gehuscht, als ich endlich absteigen durfte. Werde mir morgen die Schlüssel krallen und die RT auf die Rasten legen. Tut einem ja leid, der Kofferfisch, wenn er von einem alternden Herrn gefahren wird. (Guido und Gabriele Gluschitsch, derStandard.at, 22.9.2014)

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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