Die Ungleichheiten der Flüchtlingsaufnahme in der EU

22. September 2014, 15:34
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Bei Eurostat bisher keine österreichischen Zahlen zum ersten Quartal 2014 vorhanden

Berlin/Wien - Im ersten Quartal 2014 haben rund 108.300 Flüchtlinge in einem der 28 EU-Staaten um Asyl angesucht. Davon meldete sich der Löwenanteil - nämlich 36.890 oder gut ein Drittel - in Deutschland, wie die Statistikbehörde Eurostat berichtet. Damit steht Deutschland EU-weit an der Spitze. Platz zwei belegt Frankreich mit 15.885, gefolgt von Schweden mit 12.945 und Italien mit 10.700 Antragstellern.

Für Österreich liegen dazu bei Eurostat als einziges Mitgliedsland keine Zahlen vor. Die offizielle Statistik des Innenministeriums kommt auf 1.261 Asylanträge im Jänner 2014, 1.135 im Februar und 1.214 im März. Rechnet man diese drei Zahlen zusammen kommt man für das erste Quartal 2014 auf 3.610 Asylanträge in Österreich. Im Vorjahreszeitraum waren es 3.951, was eine Steigerung von 0,5 Prozent bedeutet.

Relativ zwischen 5 und 1.355 Asylwerber

Aussagekräftiger ist aus Sicht vieler Experten ohnehin, die Asylwerberzahlen ins Verhältnis zur Größe der Bevölkerung zu setzen. Den höchsten Flüchtlingsanteil hat laut Eurostat aktuell Schweden. Hier wurden von Jänner bis März 1.355 Bewerber pro eine Million Einwohner gezählt. Deutlich dahinter rangieren Luxemburg (500), Malta (475), Deutschland (460) sowie Belgien (455) und Zypern (445). Noch viel geringer ist die Quote etwa in Portugal (5) sowie in der Slowakei und Estland (jeweils 15). Italien, wo zuletzt Massen an Bootsflüchtlingen angelandet sind, liegt dabei mit 180 Asylbewerbern pro eine Million Einwohner nur im Mittelfeld.

Nimmt man mangels Eurostat-Zahlen für Österreich die Einwohnerzahl von 8.507.786 (Statistik Austria, Stand Jahresanfang 2014) und stellt sie den 3.610 Asylanträgen des ersten Quartals gegenüber, käme man auf gerundete 424 Asylwerber pro Einwohner Österreichs. Inwieweit diese Zahl mit den obigen Angaben für andere EU-Staaten von Eurostat vergleichbar ist, muss offen bleiben.

Die großen Unterschiede erklären sich vor allem daraus, dass es in Europa derzeit kein Verteilsystem nach festen Schlüsseln gibt. In der EU gilt die Regel des Dublin-Abkommens, dass jenes Land für einen Asylwerber zuständig ist, in dem dieser zuerst europäischen Boden betritt.

Diskutiert werden daher seit langem feste Kontingente innerhalb der EU. Dabei könnte aus Sicht von Experten nicht nur die Bevölkerungsgröße als Kriterium zählen, sondern auch die Wirtschaftskraft, die Fläche oder die Arbeitslosenquote berücksichtigt werden.

Auch Art der Behandlung relevant

Derzeit drängen viele Flüchtlinge, die über die Mittelmeer-Route in Spanien, Italien und Griechenland ankommen, nach Norden. Ein Grund ist die oft beklagenswert schlechte Unterbringung der Menschen in den Mittelmeerstaaten sowie die lange Dauer der meisten Verfahren.

Aus Sicht des Migrationsforschers Dietrich Thränhardt ist von großer Bedeutung auch der Vergleich, "wie viele Flüchtlinge ein Staat endgültig aufnimmt, wie er sie behandelt und wie viel Elend er dabei mildert". In dieser Hinsicht hatten 2012 Schweden, die Schweiz, Belgien und Österreich die Nase vorn. Deutschland rangiert dabei im Mittelfeld, mit größerem Abstand folgen die großen EU-Staaten Frankreich, Italien und Großbritannien. Thränhardts Fazit: Innerhalb der EU könne man nur Schweden eine aktive Flüchtlingsaufnahmepolitik bescheinigen. (APA, 22.9.2014)

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