Ludum Dare: 2.500 neue Gratisspiele zum Ausprobieren

27. September 2014, 12:00
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Zum 30. Mal lud das Entwickler-Event zum globalen Game-Jam, in dem nur Hartgesottene den Überblick behalten

Wer meint, Computerspiele seien vor allem passive Berieselung, irrt gewaltig: Tausende enthusiastische Hobby-Entwickler versuchen sich weltweit daran, ihrem geliebten Medium auch als Schaffende ihren Stempel aufzudrücken. Dank immer mächtigerer Tools, stärkeren Communities und globalem Publikum hat sich das kreative Spielebasteln zur faszinierenden Nische der digitalen Unterhaltung entwickelt.

Nirgends ist diese Subkultur mit größerer Begeisterung am Werken und Präsentieren als bei Ludum Dare. Seit 2002 gibt es den schnellen Spielentwicklungs-Wettbewerb, bei dem Spielentwickler weltweit innerhalb von 48 Stunden einzeln oder 72 Stunden als Team zu einem festgelegten Thema einen spielbaren Prototypen einreichen können. Die eben zu Ende gegangene 30. Auflage des Spielebauens, diesmal zum Thema "Connected Worlds", hat wieder eine unfassbare Menge an kostenlosen Klein- und Kleinstspielen ins Netz gespült.

Der Mann, der 1000 Spiele spielt

Doch wie soll man diesen gewaltigen Ozean erforschen? Garantiert bleiben angesichts der rauen Mengen lohnende Juwelen unentdeckt oder maximal in engen Zirkeln bekannte Geheimtipps. Ein Mann jedoch wirft sich voll Enthusiasmus in den gewaltigen Ozean an Ludum-Dare-Einreichungen, um mit den Perlen daraus aufzutauchen: Sebastian Standke, Informationsmanagementstudent in Hildesheim und Autor beim deutschen Gameskultur-Blog superlevel, hat es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Ludum-Dare-Spiele auszuprobieren und die Besten besonders hervorzuheben. Vor zwei Jahren, bei der 23. und 24. Auflage, hat Standke das Kunststück fertiggebracht, tatsächlich alle (!) Einreichungen anzuspielen - damals waren das allerdings auch „nur“ an die 1.400 Spiele.

Nach einer kleinen Pause hat sich Standke nun für das aktuelle Ludum Dare 30 wieder in die Vollen gestürzt. Vor der Masse von diesmal 2.538 eingereichten Spielen muss aber inzwischen auch die größte Hartnäckigkeit kapitulieren - so hat sich Standke auf die Sichtung der Hälfte des Stapels beschränkt. Eine Auswahl von über 230 Spielen aus etwa 1.000 angespielten Titeln hat der eifrige Stöberer dieses Mal vor den Vorhang geholt, in Kurzbeschreibungen gesichtet und so für Nicht-Eingeweihte einfacher zugänglich gemacht.

Trends und Community

"Für mich als Spielejournalist ist es unglaublich interessant, beim Ludum Dare die Designentscheidungen der EntwicklerInnen zu beobachten", meint Standke. "Man kann durchaus sagen, dass man in den Spielen des Game Jams auch langfristige Trends und Verkaufsschlager entdecken kann. So haben ja auch die Indie-Erfolge ‘Gods Will Be Watching’ und ‘Evoland’ beide ihren Ursprung in vergangenen Ludum-Dare-Projekten."

Was Standke außerdem dazu bringt, sich tage- und wochenlang in den Kleinstspielen zu vertiefen, ist die grandiose Community. „Die meisten Teilnehmer sind unfassbar freundliche Gestalten, mit denen man sich über sämtliche soziale Kanäle austauschen kann. Das ermöglicht mir einfach einen komplett anderen Einblick in die Welt der Spieleentwicklung, als wenn ich nur das finale Projekt rezipieren kann. Und wenn ich beispielsweise ein kleines Spielchen von jemanden aus Finnland spiele, es toll finde und darüber tweete oder einen Artikel schreibe, dann kommt ein ‘Dankeschön!’ oder ‘Es freut mich, wenn’s dir gefallen hat!’ zurück. Das ist wundervoll. Mehr wollen die Leute, die am Ludum Dare ja teilnehmen, nicht: einfach nur etwas Aufmerksamkeit für ihr Projekt.“

Zehn Tipps als Starthilfe

Auch wenn angesichts der extrem unterschiedlichen Spiele, die entstanden sind, eine Auswahl auch dem Kenner schwer fällt, empfiehlt Sebastian Standke eine Handvoll Spiele für all jene, die weder Nerven noch Zeit haben, sich durch den gewaltigen Dschungel zu kämpfen. Im Folgenden also zehn Tipps vom Ludum-Dare-Experten persönlich - und wenn da nichts dabeisein sollte, warten noch 2.528 Gratisalternativen.

Der Gewinner des 30. Ludum Dare war übrigens "Superdimensional", ein cleveres Spiel mit Perspektive, das ganz ohne Mausklicks auskommt. Die Top 100 des Kreativ-Marathons sind hier zu finden. (Rainer Sigl, derStandard.at, 27.9.2014)

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