Die gestutzten Flügel der Neos

Kommentar22. September 2014, 13:02
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Pink ist ein wichtiger Stimmenlieferant abhandengekommen

Ja eh, Landtagswahlen sind Landtagswahlen, wie ÖVP-Generalsekretär Blümel die Schlappe der Vorarlberger Parteifreunde wegreden möchte. Aber: Gewisse Tendenzen lassen sich aus Landeswahlen herauslesen. Eine davon: Die Flügel der Neos wurden ordentlich gestutzt.

Mit 6,9 Prozent der Wählerstimmen haben sie sogar einen Hauch mehr Stimmen geschafft, als die Grünen dazugewinnen konnten. Nicht schlecht, aber ihr eigenes Wahlziel von drei Landtagssitzen und Klubstärke haben sie dennoch klar verfehlt. Zum Vergleich: Bei der Nationalratswahl 2013 kamen die Neos in Vorarlberg auf 13 Prozent, bei der Europawahl auf knapp 15 Prozent. Die 6,9 Prozent sollten also die Alarmglocken läuten lassen.

Die Neos, die aus vielen ÖVP-DissidentInnen bestehen, konnten bisher auf eines zählen: Wer von den Schwarzen enttäuscht ist, geht zu Pink.

  • Bei der EU-Wahl wanderten 45.000 Stimmen zu den Neos, 40.000 zu den Grünen.
  • Bei der Nationalratswahl gingen 58.000 Stimmen von der ÖVP zu den Neos und 47.000 von der ÖVP zu den Grünen.
  • Und jetzt in Vorarlberg: 9.000 Stimmen wanderten von der ÖVP zu den Grünen, nur 3.000 Stimmen gingen von der ÖVP an die Neos.

Das heißt: Der Frust der Schwarzen entleerte sich bei den Grünen. Wenn das so bleibt, wenn die Neos nicht mehr automatisch davon ausgehen können, dass enttäuschte ÖVP-Wähler von Strolz & Co umarmt werden wollen, dann fällt einer der wichtigsten Stimmenlieferanten weg. Das könnte umso dramatischer werden, wenn sich die ÖVP mit Neo-Chef Mitterlehner tatsächlich erholen sollte und je besser sich die Grünen auf die Neos einstellen.

Ja, Landtagswahlen sind Landtagswahlen. Aber im Heimatländle des Neos-Chefs funktionierte die neue Partei schlechter als gewohnt. Vermutlich auch deshalb, weil die inhaltliche Substanz fehlte und die Sprüche nicht mehr so ziehen wie zu Beginn. Strolz sollte künftig nicht allein in den Wald gehen, sondern mit dem gesamten Team versuchen, eine für den Wähler verständlichere Ausrichtung der Partei zu erzielen. Wie schnell das Frustpotenzial auch der Nichtwähler als Stimmenkonstante aufgebraucht ist, hat das Team Stronach vorgezeigt. (Rainer Schüller, derStandard.at, 22.9.2014)

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