Spanischer Ebola-Patient aus Sierra Leone ausgeflogen

22. September 2014, 11:31
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Geistlicher infizierte sich - Dreitägiges Ausgehverbot "erfolgreich" beendet

Madrid/Freetown/Conakry - Die spanische Regierung hat erneut einen mit Ebola infizierten Spanier aus Westafrika ausgeflogen. Der 69-jährige Geistliche Manuel García Viejo wurde in der Nacht auf Montag mit einer Maschine der spanischen Luftwaffe aus Sierra Leone nach Madrid gebracht.

Dort wurde der ausgebildete Mediziner, der eine Klinik in dem westafrikanischen Land geleitet hatte, in die Quarantänestation eines Krankenhauses transportiert. Zuvor hatte eine Sprecherin des spanischen Gesundheitsministeriums versichert, dass das Risiko für die öffentliche Gesundheit praktisch null sei.

Der Zustand des Priesters sei sehr ernst, teilte die Madrider Gesundheitsbehörde mit. Bei dem Mann, der seit zwölf Jahren in Sierra Leone für eine Nichtregierungsorganisation gearbeitet hatte, war am Freitag Ebola diagnostiziert worden. Er ist der zweite Ebola-Kranke, den Madrid heimgeholt hat. Am 7. August war der Priester Miguel Pajares aus Liberia eingeflogen worden. Der 75-Jährige erlag fünf Tage später als erster Europäer der Krankheit.

Ausgangssperre "erfolgreich" beendet

In Sierra Leone haben die Behörden die dreitägige Ausgangssperre als Erfolg im Kampf gegen Ebola gewertet. Offenbar hielten sich die meisten der rund sechs Millionen Einwohner des westafrikanischen Landes an die Anordnung. Die Beteiligung der Bürger sei "überwältigend" gewesen, sagte der Chef der nationalen Notfallagentur des Landes , Stephen Gaojia, laut der britischen BBC.

"Wir haben zahlreiche Menschen ausfindig gemacht, die infiziert sind", erklärte Gaojia. Eine genaue Zahl gebe es aber zunächst nicht. In Nachrichtenagenturmeldungen war von bis zu 150 neu entdeckten Infizierten die Rede. Ab Freitag waren fast 30.000 Gesundheitsarbeiter von Haus zu Haus gegangen, um die Bevölkerung über das Virus aufzuklären und mögliche Ebola-Kranke ausfindig zu machen.

Außerdem verteilten die Helfer rund 1,5 Millionen Stück Seife - so sehen in dem Land die hygienischen Verhältnisse aus. Den Teams sei es gelungen, mehr als 60 Ebola-Tote zu begraben, sagte ein Sprecher der Gesundheitsbehörde. Um die Krankheit einzudämmen, gilt es als äußerst wichtig, die Leichen schnell zu beerdigen.

Jedoch gab es auch Kritik an der Ausgangssperre. Die Aufklärungskampagne komme drei Monate zu spät, sagte der deutsche Salesianerbruder Lothar Wagner. "Wir brauchen so schnell wie möglich mindestens 5000 Betten für Ebola-Infizierte, mehr Labors, die sofort Ebola-Tests durchführen können und natürlich dazu entsprechendes Fachpersonal", erklärte Wagner.

Ärzte ohne Grenzen kritisieren Anordnung

Bereits im Vorfeld der Ausgangssperre hatte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) die Anordnung scharf kritisiert. Es bedürfe Helfer mit viel Erfahrung, um bei einem solchen Tür-zu-Tür-Screening Menschen mit Ebola-Symptomen auszumachen. Zudem gebe es nicht genug Ebola-Zentren, um eventuelle neue Patienten aufzunehmen. Ohne Platz zur Untersuchung und Behandlung von Verdachtsfällen sei das ganze Vorhaben sinnlos.

Bis zum 18. September hatten die Behörden in den betroffenen westafrikanischen Staaten laut der Weltgesundheitsorganisation WHO 5.762 Infizierte gemeldet. Davon sind demnach 2.793 an der Seuche gestorben. Allein in Sierra Leone waren es bisher 584 Tote. Die Dunkelziffer dürfte aber weit höher liegen.

Im Kampf gegen die Ebola-Seuche in Westafrika wirbt die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen um freiwilliges medizinisches Personal der Bundeswehr. In einem am Montag veröffentlichten Aufruf erklärte sie, es seien jetzt "alle gefragt, schnell und wirkungsvoll zu helfen".

Die deutsche Bundeswehr soll gemeinsam mit Frankreich eine Luftbrücke in die betroffenen Länder aufbauen. Zu diesem Zweck soll ein Stützpunkt vermutlich in Katar eingerichtet werden. Die Bundeswehr soll auch dem Deutschen Roten Kreuz beim Aufbau eines mobilen Krankenhauses mit mehr als 300 Betten helfen, darunter ist auch eine Station der Armee mit 50 Betten. (APA, 22.9.2014)

  • Hohe Sicherheitsmaßnahmen bei der Überstellung.
    foto: ap photo/spanish defense ministry

    Hohe Sicherheitsmaßnahmen bei der Überstellung.

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