OeNB-Direktor: "Neuer Zehner ist hübscher"

Chat23. September 2014, 11:46
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Ab Dienstag werden die neuen Zehner ausgegeben, über die Zukunft des Bargeldes und alte und neue Scheine diskutierten wir mit Stefan Augustin

Die neuen Zehner seien sicherer und länger haltbar, begründete Nationalbank-Direktor Stefan Augustin im Chat mit derStandard.at die schrittweise Einführung der neuen Euro-Scheine. Einen Waschvorgang mit bis zu 60 Grad sollte der Zehner "anstandslos überleben", bleiche er aus, könne man ihn auch problemlos gegen neue Scheine umtauschen. Man habe zudem aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, seit Jänner konnten Hersteller von Bankomaten die Scheine testen. EZB-Präsident Mario Draghi hat aber nicht erneut unterschrieben, verriet Augustin. Die Unterschrift sei in die Druckauflage eingefügt worden.

Von den alten Fünf-Euro-Scheinen, die schon umgestellt wurden, seien noch etwa 30 Prozent im Umlauf (etwa 500 Millionen Stück). Die Umstellung bei den Zehn-Euro-Scheinen sollte aber schneller gehen, weil sie gleich über alle Bankomaten ausgegeben werden. Die Produktion eines Scheines koste etwa sieben Cent.

OeNB-Direktor Stefan Augustin zeigt den neuen Zehn-Euro-Schein.

Was die Abschaffung von Münzen mit niederem Wert betrifft, ist Augustin skeptisch. Die Ein-, Zwei- und Fünf-Centen-Münzen würden hierzulande auf große Nachfrage stoßen. Solange das der Fall sei, werde man auch die Produktion nicht einstellen. Geldscheine, die nicht mehr benutzt werden könnten, würden von der Nationalbank geschreddert und "der thermischen Verwendung zugeführt". Das Bemalen von Scheinen sei zwar nicht verboten, aber Notenbanken seien nicht dazu verpflichtet, absichtlich bemalte und damit zerstörte Banknoten einzutauschen.

Als Nächstes kommen die 20-Euro-Scheine dran, einen genauen Termin für die Einführung gebe es aber noch nicht. Der Druck sei aber schon im Gange, sagte der OeNB-Direktor. (red, derStandard.at, 23.9.2014)

ModeratorIn: Einen schönen guten Tag, liebe User und Userinnen. Die zweite Euro-Generation bekommt Zuwachs: Seit heute wird der neue Zehn-Euro-Schein unters Volk gebracht. Aus diesem Anlass ist OeNB-Direktor Stefan Augustin bei uns zu Gast. Wir freuen uns auf Ih

Stefan Augustin: Ja, es freut uns, dass wir auf ihre Anfragen reagieren können.

UserInnenfrage per Mail: Ganz ehrlich: Gefallen Ihnen die alten oder die neuen Scheine besser?

Stefan Augustin: Etwas Neues ist immer etwas ungewohnt, für uns als Produzenten ist der neue Schein natürlich hübscher als der alte. Das wichtige ist aber, dass er auch besser ist und zwar sowohl von der Haltbarkeit als auch von der Sicherheit. Das ist nämlich das Ziel, die neue Serie für die Konsumenten so sicher wie möglich zu gestalten.

UserInnenfrage per Mail: Wie lange wird es gleichzeitig alte und neue Zehner geben?

Stefan Augustin: Vorläufig gelten alte und neue Scheine parallel. Der Termin zudem die Eurobanknoten der erstern Serie ihre Gültigkeit als gesetzliches Zahlungsmittel verlieren wird weit im Voraus bekanntgegeben. Auch danach ist der Umtausch dieser Banknoten bei der OeNB zeitlich umbefristet möglich.

UserInnenfrage per Mail: Die auffälligste Änderung des neuen Scheins ist die glatte Oberfläche. Werden wir irgendwann Plastikgeld haben und standen solche auch zur Diskussion?

Stefan Augustin: Die glatte Oberfläche ist das Resultat einer Beschichtung die die Banknote haltbarer machen soll, damit wird der Effekt von Polymer/Plastik-Geld erreicht. Der Rohstoff des Euroscheins besteht aus Baumwolle und hat aus unserer Sicht eine höhere Nachhaltigkeit als Plastik.

UserInnenfrage per Mail: Die neuen Fünfer waren für Automaten nicht ganz so leicht zu schlucken wie geplant. Was hat man bei den 10ern besser gemacht?

Stefan Augustin: Wir haben aus der ersten Umstellung gelernt und haben den Herstellern und Betreibern von Automaten mehr Zeit für die Umstellung eingeräumt. Seit über einem Jahr konnte die Banknote schon in der OeNB getestet werden, seit Jänner hatten die Automatenhersteller und -betreiber schon die Möglichkeit den neuen 10-Euro-Schein bei Ihnen zu testen und sich auf die Umstellung vorzubereiten.

UserInnenfrage per Mail: Warum brauchen wir die neuen Scheine? Hätte man denn nicht bei den alten Banknoten schon an die jetzigen Sicherheitsmerkmale denken können?

Stefan Augustin: Nein, auch die Banknotenproduktion unterliegt einem technischen Fortschritt und das Eurosystem ist bemüht, die beste Sicherheitstechnologie in die Scheine zu integrieren. Das positive Resultat lässt sich an den niederen Fälschungszahlen ablesen.

UserInnenfrage per Mail: Die alten Zehner trugen schon die Unterschrift von Mario Draghi. Jetzt ist sie wieder drauf. Hat er neu unterschrieben oder wird die Unterschrift einfach kopiert?

Stefan Augustin: Die Banknoten tragen immer die Unterschrift des jeweiligen EZB-Präsidenten. Die Unterschrift wird in die Druckvorlage eingefügt.

qwertztt: Kann man die neuen 10 Euro Scheine, vergleichbar mit dem iPhone (ab iOs7!), in der Waschmaschine waschen?

Stefan Augustin: Bis zu 60 Grad sollte der Schein den Waschvorgang anstandslos überleben. Selbst wenn er bei über 100 Grad ausgebleicht wird, ist er problemlos gegen einen neuen einzutauschen.

huterl: Sg. Hr. Augustin! Warum werden die 1,2 und 5 Cent Münzen nicht einfach abgeschafft - wie es in Teilen der EU bereits normal ist?

Stefan Augustin: Die Nachfrage nach diesen kleinen Münzen ist gerade in Österreich besonders hoch. Daher werden sie bei uns weiter angeboten. Wen der Markt keine Centstücke mehr benötigt, wird die Produktion eingestellt so wie es bei den 1, 2 und 5 Groschen der Fall war. Voraussetzung für die Abschaffung wären entsprechende verbindliche Rundungsregelungen für den Handel. Das liegt nicht im Zuständigkeitsbereich der OeNB.

qwertztt: Was passiert eigentlich mit alten Geldscheinen (wenn diese zu abgenützt sind)? Werden die wiederverwertet zu neuen Geldscheinen oder gibt es andere Anwendungen oder Verwendungen dafür?

Stefan Augustin: Alte Geldscheine werden von uns geschreddert und einer thermischen Verwertung zugeführt. Darüberhinaus hat die OeNB das geschredderte Material an Hersteller von Wärme- und Trittschutzmatten zur Verfügung gestellt. Kleine Mengen wurden auch von Künstlern verarbeitet.

Hopfenkind: Gibt es schon einen ungefähren Termin für die Einführung der neuen 20-Euro-Note. Bzw. sind die schon großteils gedruckt (auch von der OENB)?

Stefan Augustin: Der Termin für den 20er steht noch nicht fest, die Ausgabe wird aber in einem Abstand von 1 bis 1,5 Jahren erfolgen. Der Druck ist gerade im Gange, natürlich auch von der OeNB.

Hopfenkind: Gibt es Prozentdaten, wieviele 5er der 1. Generation momentan noch im Umlauf sind?

Stefan Augustin: Derzeit sind europaweit noch 30 Prozent der alten Serie des 5ers im Umlauf, ca. 500 Mio. Stück, in Österreich geschätzte 20 Mio. Beim 10er wird die Umstellung deutlich rascher vor sich gehen, da er über alle Bankomaten ausgegeben wird.

Comedian: Handys sollen ja in Zukunft Kreditkarten und damit auch Bares ersetzen. Sehen Sie das positiv oder als unkalkulierbares Risiko?

Stefan Augustin: Wir stehen als Notenbank allen Zahlungsmitteln neutral gegenüber. Die Technik der "mobile payments" passiert auf der gleichen Plattform wie die Kartenzahlungen und wird von uns daher als nicht riskant angesehen.

Robert Cvrkal: Grüß Gott: Je mehr bargeldlos abgewickelt wird desto leichter sind die Zahlungsströme und damit auch die Bürger überwachbar. Werden mit SWIFT-Abkommen und dem Trend zum totalen bargeldlosen Verkehr nicht in Wahrheit der gläserne Bürger vorbereitet?

Stefan Augustin: Bargeldlose Zahlungen haben den Vor- bzw. Nachteil der Anonymität. Elektronische Zahlungen können natürlich nachverfolgt werden, der Bürger ist aber frei in seiner Entscheidung und zweitens gibt es den Schutz des Bankgeheimnisses und des Datenschutzes der nur in bestimmten begründeten Fällen aufgehoben werden kann.

The_Wutbürger: Ist das bemalen (Telefonnummer, SKizzen etc) auf Geldscheinen verboten?

Stefan Augustin: Nein, die Banknoten gehen ins Eigentum über, aber Achtung die Notenbanken sind nicht verpflichtet absichtlich bemalte/und damit zerstörte Banknoten einzutauschen.

senf++: Wird es 2-Euro-Scheine geben?

Stefan Augustin: Aus heutiger Sicht wird es keine 2-Euro-Scheine geben. Die Nachfrage ist in vielen Ländern sehr gering, und darüberhinaus wären die Kosten, beispielsweise durch eine Umstellung von Automaten und den Druck von hohen Banknotenmengen erheblich.

Herr Zebra: Wie stark waren die alten Zehner von Geldfälschung betroffen? Lässt sich diesbezüglich ein Unterschied zum Schilling feststellen oder ist der Kampf gegen Geldfälscher einer gegen Windmühlen?

Stefan Augustin: Tendenziell werden hauptsächlich 20er und 50er gefälscht. Insgesamt sind die Fälschungszahlen im Euroraum und in Österreich aber sehr gering. So hat die OeNB im erst Halbjahr nur rund 3600 gefälschte Banknoten aus dem Umlauf gezogen. Dies bei einem Umlauf von etwa 500 Mio. Banknoten in Österreich.

Sukram's Panopticum: Sg. Hr. Augustin, was glauben Sie, wie lange noch das Bargeld als solches seine Berechtigung für Zahlungen hält? Gibt es bereits Überlegungen das Geld in einer anderen Form bereitzustellen?

Stefan Augustin: Nachwievor ist Bargeld das beliebteste Zahlungsmittel der Österreicher, sein Anteil liegt bei mehr als 60 % der Zahlungen. Die Bankomatkarte liegt bei 26 %, die Kreditkarte bei 5 %, der Rest sind Zahlscheine, Internetzahlungen etc. Das heißt, die Österreicher lieben das Bargeld, die Zahlungsgewohnheiten ändern sich sehr langsam, aber stetig.

BobaFett: was bitte kostet die herstellung der neuen 10-€-banknote? wo finde ich ueberhaupt eine auflistung der herstellungskosten aller geldmittel, die in der EU kursieren?!? danke!

Stefan Augustin: Die Produktionskosten einer Eurobanknote liegen bei durchschnittlich 7 Cent. Die Gesamtkosten des Bargeldverkehrs sind unter 3 % des BIP und damit im Vergleich zu anderen Zahlungsmitteln sehr günstig, insbesondere für die kleinen Transaktionen des täglichen Lebens.

senf++: Haben die Geldscheine Eigenschaften, die das Wachstum von Bakterien/Viren hemmt?

Stefan Augustin: Die Beschichtung der neuen 5er und 10er soll die Verschmutzung von Banknoten verringern, dadurch verringert sich auch das Wachstum von Bakterien und Viren. Natürlich können auf Geldscheinen, wie auf allen anderen Gegenständen mit denen man in Kontakt kommt, Viren/Bakterien vorhanden sein. Unsere Empfehlung dazu: öfter Hände waschen in Grippezeiten.

UserInnenfrage per Mail: Sie fahren seit Jahren mit dem Nationalbank-Bus durch Österreich und sammeln Schillinge ein. Wird man da nicht sentimental?

Stefan Augustin: Die Schillinge waren ein Produkt der OeNB und von der Bevölkerung bestens akzeptiert. Natürlich ist mit diesem Produkt, auch aus unserer Sicht, eine gewisse Sentimentalität verbunden, wir glauben aber, dass die Vorteile eienr gemeinsamen Währung für mehr als 330 Mio EU-Bürger bei weitem überwiegen.

seltenposter: wird es auch noch einen neuen 500-er (bzw. 200-er) schein geben? es gab ja diverse aussagen diesen abzuschaffen.

Stefan Augustin: Derzeit gibt es seitens des Eurosystems keine Pläne zur Abschaffung der 200er und 500er. Durch die Ausgabe dieser Eurobanknoten deckt das Eurosystem die entsprechende Nachfrage. Würde man die 200er und 500er durch niedrige Nominale ersetzen, käme es zu einer deutlichen Erhöhung der Anzahl der Banknoten und somit zu höheren Produktions- und Bearbeitskosten.

swordi: Bei der Einführung von neuen Scheinen müssen sämtliche Automaten umgestellt werden. Warum kann man dann nicht alle Scheine zur selben Zeit einführen um die Umstellungskosten zu minimieren ? So müssen alle Automaten mehrmals umgestellt werden. Das is

Stefan Augustin: Das Eurosystem und die OeNB bemühen sich die Umstellungskosten für die Automatenhersteller und -betreiber so gering wie möglich zu halten, und räumt den relevanten Partnern eine lange Vorlaufzeit sowie Testmöglichkeiten und die Ausleihmöglichkeiten ein. Eine Umstellung der gesamten Serie auf einmal würde nicht nur die Produktionskosten, sondern auch die Kosten für Bargeldakteure, -händler etc. augrund der logistischen Anforderungen deutlich erhöhen.

senf++: Stimmt es, dass man einen zerrissenen/abgerissenen (kaputten) Geldschein bei der OeNB umtauschen kann, sofern man 2/3 besitzt?

Stefan Augustin: Ja, Voraussetzung für einen Umtausch ist, dass mehr als 50 % des Geldscheines vorhanden ist.

UserInnenfrage per Mail: Was genau sorgt für die bessere Haltbarkeit bei den Scheinen?

Stefan Augustin: Die 5er und 10er werden mit einem speziellen umweltfreundlichen wasserbasierenden Lack beschichtet, der schmutzabweisend wirkt und so die Lebensdauer der Banknoten erhöht.

UserInnenfrage per Mail: Wenn man nach Ihnen im Internet sucht, findet man nur Fotos mit Ihnen und Euroscheinen. Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag bei der OeNB?

Stefan Augustin: Mit meinem Mitarbeitern sorge ich für die Bearbeitung, Verteilung und Überprüfung von 1,6 Milliarden Banknoten pro Jahr um damit die Qualität und Sicherheit des baren Zahlungsverkehrs für die Österreicher zu unterstützen. Dazu gehört auch die Information über neue Banknoten, wie heute anlässlich der Einführung des 10-Euroscheins.

ModeratorIn: Die Zeit ist leider schon wieder um, leider konnten wir nicht alle Fragen beantworten. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Stefan Augustin für sein Kommen und für das rege Interesse unserer User.

Stefan Augustin: Wir bedanken uns beim Standard und seinen Lesern für einen hoffentlich informativen und für uns interessanten Chat.

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