Bis zu 30 Flüchtlinge nach Bootsunglück im Mittelmeer vermisst

22. September 2014, 16:01
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Zehn Leichen geborgen, 55 Bootsinsassen gerettet - Zwei Migranten bei Flucht nach Griechenland durch Schüsse verletzt

Tripolis/Rom - Vor der Küste Libyens ist erneut ein Boot mit dutzenden Flüchtlingen gesunken. Wie italienische Medien am Sonntag berichteten, wurden zehn Leichen geborgen, bis zu 30 weitere Menschen wurden vermisst. 55 der Schiffbrüchigen konnten demnach von einem Frachtschiff gerettet werden, das von der italienischen Küstenwache alarmiert wurde.

Das Unglück ereignete sich den Medienberichten zufolge rund 40 Kilometer von der libyschen Küste entfernt. Das überfüllte Boot war demnach von dem nordafrikanischen Land in Richtung Italien aufgebrochen, als es in Seenot geriet. Bei der italienischen Küstenwache sei ein von einem Satellitentelefon abgesetzter Notruf eingegangen, daraufhin habe die Küstenwache den Frachter um Hilfe gebeten.

Küstenwache rief zur Suche auf

Die Überlebenden berichteten ihren Rettern, dass etwa hundert Menschen an Bord des Flüchtlingsbootes gewesen seien. Die Küstenwache forderte weitere Schiffe in der Region auf, ihre Route zu ändern und an der Unglücksstelle nach möglichen Überlebenden oder Opfern zu suchen.

Insgesamt haben Schiffe der italienischen Marine seit Sonntag 590 Migranten in Sicherheit gebracht. Bei den Rettungsaktionen wurden vor allem syrische und afrikanische Flüchtlinge gerettet.

Auf Boot geschossen

Durch Schüsse verletzt wurden zwei Flüchtlinge, als sie am Montag mit einem Boot von Schleppern aus der Türkei nach Griechenland kommen wollten. Wie die griechische Küstenwache mitteilte, eröffnete ein Patrouillenboot das Feuer auf das Boot, um dessen Motor zu zerstören und so die Schlepper zu stoppen.

Die unter Deck und hinter der Reling versteckten Migranten seien vom Patrouillenboot aus nicht sichtbar gewesen. Vor den Schüssen hatte die Küstenwache eigenen Angaben zufolge vergeblich das Boot zum Beidrehen aufgefordert.

Stattdessen hätten die Schlepper versucht, das griechische Boot zu rammen. Dabei sei ein Beamter leicht verletzt worden. Daraufhin seien erst Warnschüsse und anschließend gezielte Schüsse auf dem Motor des Schleuserbootes abgegeben worden.

Die beiden türkischen Schlepper sowie zwölf Migranten wurden den Angaben zufolge festgenommen. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser der Insel Rhodos und der Hafenstadt Thessaloniki gebracht. Der Zwischenfall ereignete sich in der Nähe der kleinen Dodekanes-Insel Pserimos. Zunächst war unklar, aus welchem Land die Migranten stammen.

Immer wieder geraten Flüchtlinge aus Afrika und Asien, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen, in Seenot. Ihre Boote sind meist überfüllt und nicht seetüchtig. Am 10. September waren nahe Malta rund 500 Flüchtlinge ertrunken, nur zehn Menschen überlebten das Unglück. Seit Jahresbeginn kamen nach UN-Angaben mehr als 2.500 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben. (APA, 22.9.2014)

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