Türkei kämpft mit Flüchtlingsansturm aus Syrien 

22. September 2014, 11:37
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Grenzübergänge großteils wieder gesperrt - Rund 130.000 kurdische Syrer sind seit Freitag in die Türkei geflohen - PKK ruft zum Kampf gegen jihadistische IS-Miliz auf

Ankara/Beirut - Als Folge des Vormarsches der Terrormiliz IS im Norden Syriens sind nach Angaben der Regierung in Ankara inzwischen mehr als 130.000 Menschen in die Türkei geflüchtet. Diese Zahl nannte Vizeministerpräsident Numan Kurtulmus am Montag für die Zeit seit der Grenzöffnung, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. Die UNHCR hatte schon am Sonntagabend mitgeteilt, dass sich die Zahl der Flüchtlinge der Marke von 100.000 nähere.

Am Freitag war die Grenze zu Syrien über einen Abschnitt von 30 Kilometern für Flüchtlinge aus der Stadt Kobane geöffnet worden. Doch nach dem massiven Ansturm sind seit Montag inzwischen nur mehr zwei der insgesamt neun Grenzübergänge offen, wie das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR meldet.

PKK mobilisiert: "Es gibt im Widerstand keine Grenze mehr"

Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat die Kurden in der Türkei zum Kampf gegen die Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) im benachbarten Syrien aufgerufen. "Es gibt im Widerstand keine Grenze mehr", weshalb eine "Mobilisierung" nötig sei, hieß es in einer PKK-Mitteilung, aus der die prokurdische Nachrichtenagentur Firat am Montag zitierte.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte eroberten IS-Kämpfer seit Donnerstag etwa 60 Dörfer in den Kurdengebieten im Norden Syriens und drängten kurdische Kämpfer zurück.

Kampf gegen IS im Irak

Die PKK kämpft bereits im Norden des Iraks aufseiten der kurdischen Peschmerga gegen die Jihadisten, nachdem Anfang August die Kurden aus dem Irak, der Türkei und Syrien gegen die Extremisten eine gemeinsame Offensive starteten. In den syrischen Kurdengebieten führt die kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD) den Kampf gegen die IS-Milizen an. Sie ist die syrische Schwesterpartei der PKK.

Der PKK-Vertreter Dursun Kalkan rief laut Firat in einem belgischen Fernsehsender alle Kurden auf, sich zusammenzuschließen. "Die kurdische Jugend vor allem, die Frauen müssen diesen Angriffen entgegentreten", sagte Kalkan. Er warf der Türkei "Kollaboration" mit der IS-Miliz vor, weil Ankara territoriale Ambitionen im Irak und in Syrien habe. Die Türkei hatte sich bisher im Kampf gegen die Jihadisten zurückgehalten, die seit Juni im irakischen Mossul 46 türkische Diplomaten und Angehörige als Geiseln hielten, bevor sie diese am Samstag freiließen.

Zahlreiche Tote bei Angriffen syrischer Regierungstruppen

Bei Luftangriffen der syrischen Regierungstruppen in der nordwestlichen Provinz Idlib sind unterdessen nach Angaben von Aktivisten mindestens 42 Menschen getötet worden, darunter 16 Kinder. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete am Montag, 19 Menschen, darunter sechs Kinder, seien am Sonntagnachmittag nahe der Stadt Sarakeb getötet worden. Weitere 23 Opfer, darunter zehn Kinder, habe es in der Stadt Ehsim gegeben, erklärte die oppositionsnahe Organisation, die ihre Informationen von einem Netzwerk aus Aktivisten und Ärzten vor Ort bezieht.

Die Region um die Provinzhauptstadt Idlib ist weitgehend unter Kontrolle der syrischen Rebellen. Es ist eine der letzten großen Hochburgen der gemäßigten Aufständischen, die im Norden und Westen sowie rund um die Hauptstadt Damaskus seit Monaten von den Regierungstruppen und der libanesischen Hisbollah-Miliz immer weiter zurückgedrängt werden. Im Nordosten und um die Stadt Aleppo liegen sie zudem im Konflikt mit der Jihadistengruppe Islamischer Staat, die von ihnen weite Gebiete um die Städte Raka und Deir Essor eroberte.

Kurden stoppen IS-Vormarsch

Kurdische Kämpfer haben nach eigener Darstellung den Vormarsch der Extremistenmiliz Islamischer Staat in der Nähe der nordsyrischen Stadt Kobani gestoppt. Der Vorstoß sei in der Nacht zum Montag zum Erliegen gekommen, sagte ein Sprecher der Kurdenmiliz YPG. Allerdings gebe es immer noch Kämpfe. Kobani liegt an der Grenze zur Türkei. Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die Islamisten hätten in den vergangenen 24 Stunden keine größeren Erfolge erzielt. (APA, 22.9.2014)

  • Türkische Soldaten und Flüchtlinge aus Syrien am türkischen Grenzübergang Suruc.
    foto: ap photo/burhan ozbilici

    Türkische Soldaten und Flüchtlinge aus Syrien am türkischen Grenzübergang Suruc.

  • Flüchtlinge auf der Suche nach einer Unterkunft.
    foto: apa/epa/tosun

    Flüchtlinge auf der Suche nach einer Unterkunft.

  • Türkische Sicherheitskräfte setzen Wasserwerfer gegen kurdische Demonstranten ein.
    foto: reuters/sezer

    Türkische Sicherheitskräfte setzen Wasserwerfer gegen kurdische Demonstranten ein.

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