Das Glück ist ein Knochen

Einserkastl21. September 2014, 18:43
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Eine schöne, weil wahre Geschichte

Nizar Ibrahim ist Paläontologe. Die Art, wie er seine spektakulärste Entdeckung machte - jene des ebenso riesigen wie einzigartigen Schwimmsauriers Spinosaurus aegyptiacus (seit vergangener Woche im National Geography Museum in Washington, D.C., zu sehen) -, legt aber nahe, dass der Mann auch in ganz anderen Branchen hätte glücklich werden können.

Mit der Betonung auf Glück. Kurz und neidlos die Geschichte: 2008 weilt Ibrahim bei Ausgrabungen in Marokko, als ihm ein Nomade einen Karton mit Saurierknochen bringt. Im Jahr darauf zeigt ihm ein Kollege in Mailand beiläufig Knochen, die ähnlich aussehen. Ein Check bestätigt: Sie stammen vom selben Tier. So weit, so glücklich. Was fehlt, ist die exakte Info, wo die Knochen her sind - weshalb sich Ibrahim auf die Suche nach dem Nomaden macht. Er hat auch einen Anhaltspunkt: Der Mann hat einen Schnurrbart.

Das erweist sich als etwas zu bruchstückhaftes Profil, die Suche in Marokko bleibt erfolglos - vorerst. Ibrahim sitzt kurz vor der Abreise in einem Café, als ein Mann mit Schnurrbart vorbeigeht. Er läuft ihm nach, es ist der Nomade - der auch noch genau weiß, wo er die Knochen einst aufgelesen hat. Später finden sich dort noch weitere, die das Saurierskelett komplettieren.

Alles wunderbar, eine schöne, weil wahre Geschichte. Nur: Irgendwer muss den Mann dringend zum nächsten Lotto-Terminal schleifen. (corti, DER STANDARD, 22.9.2014)

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    foto: reuters/jim bourg
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