Börsengang von Alibaba: Baba macht gaga

Kommentar21. September 2014, 17:40
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Wem nützt die Marktmacht, der Milliardenumsatz? Den neuen Kapitalgebern nicht

Boom! Der chinesische Internethändler Alibaba hat beim Börsengang in New York den Turbo gezündet. Ein Plus von 38 Prozent - das Unternehmen mit dem Kürzel Baba ist für die Börsianer 230 Milliarden Dollar wert. Der außerhalb von China kaum bekannte Onlinehändler hat es mit einem Schlag in die Top-Liga der Konzerne geschafft und ist mehr wert als etwa Coca-Cola. Und das, obwohl der Getränkehersteller fünfmal mehr umsetzt.

Die Euphorie hat einen Grund: Der ehemalige Englischlehrer Jack Ma verspricht den Anlegern Wachstum. Im dynamischen China hat Alibaba eine zentrale Rolle als Internethändler, Telekomfirma und Zahlungsabwickler. 300 Millionen Kunden, 8,5 Millionen kleine Händler: Die Zahlen in der Alibaba-Erfolgsformel suchen ihresgleichen.

Doch ein Aktionär muss sich immer fragen: Cui bono? Wem nützt die Marktmacht, der Milliardenumsatz? Den neuen Kapitalgebern nicht. Denn die Konstruktion des Unternehmens ist nicht anlegerfreundlich. Die neuen Aktionäre besitzen nur eine Hülle in einer Steueroase, keine Stimmrechte, und die wertvollen Lizenzen zum Geschäftsbetrieb im heftig reglementierten chinesischen Markt befinden sich in den Händen des Managements.

Das mag nicht weiter schlimm sein, solange alles gut läuft. Doch bei ersten Turbulenzen werden die Börsianer durch die Finger schauen, und sich ärgern, dass sie durch die Wachstumsversprechen beim Börsengang gaga waren. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 22.9.2014)

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