"Tatort: Mord ist die beste Medizin": Deutschland, deine Kranken

Ansichtssache21. September 2014, 18:08
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Ein in vielem fragwürdiger Krimi, der doch seine sehenswerten Momente hat - wie finden Sie diesen Münsteraner Krimi?

foto: orf/zdf/wolfgang ennenbach

Man muss es gleich sagen: Es gibt einiges, das an diesem Münsteraner Tatort mehr als fragwürdig ist. Das geht schon mit dem Titel los: "Mord ist die beste Medizin" - was soll man dazu noch sagen?

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Auch sonst weist dieser Fall, in dem es um einen ermordeten Pharmazeuten und böse, ganz böse Skandale in einer Klinik geht, einige potenziell ziemlich peinliche Ideen auf. Ein naseweises Kind als Zeugin. Der Vater der naseweisen Zeugin als baldiges Date der daraufhin nur noch versonnen lächelnden Assistentin Nadeshda.

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Und ein schwerst hypochondrischer Professor Boerne, der sich erst selbst untersucht und dann um sein Leben fürchtet. Wobei sich hier sehr schön zeigt, wie Autorin Dorothee Schön und Regisseur Thomas Jauch diese drohenden Peinlichkeiten großteils sehr elegant abwehren.

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Die ganze Unfähigkeit, mit der eigenen Vergänglichkeit fertig zu werden, ist peinlich, jawohl. Nur: So sind Menschen. Sie können schwer damit umgehen, dass ihr Körper fehleranfällig ist und irgendwann den Geist aufgeben wird. Das muss nicht logisch sein, wie die notorisch rauchende Staatsanwältin Klemm zeigt: "Ich bin jetzt 59 - wenn ich nicht rauchen würde, dann wäre ich vielleicht erst 50. Biologisch, mein ich."

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Auch sonst hat diese Folge wunderbare, menschliche Charaktere im Angebot. Allen voran hier der (sowieso großartige) Josef Ostendorf als Boernes geradezu unverschämt gut gelaunter, krebskranker Bettnachbar im Krankenhaus, der eine Vorliebe für laut aufgedrehte Volksmusik hat. Nach ihm übernimmt das Bett der DJ "Bishudo", ebenfalls Fan lauter Klänge. Allein wegen dieser wahnwitzigen Typen ist der "Tatort" schon sehenswert. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 22.9.2014)

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