Feuer - Schmelze - Dürre: Symptome des Klimawandels

29. September 2014, 14:02
54 Postings

Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich bereits weltweit - vom globalen Eisschwund bis zu Dürrekatastrophen.

Wien - "Es steht außer Zweifel, dass unser Klima durch den Menschen und durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen verändert wird und die Wetterextreme zunehmen", erklärte Michel Jarraud, Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am 9. September in Genf. Zum einen habe die CO2-Konzentration in der Atmosphäre 2013 auf 396 parts per million zugenommen - das seien 142 Prozent des vorindustriellen Wertes aus dem Jahr 1750. Es war der stärkste Anstieg im Jahresvergleich seit 30 Jahren.

Zum anderen sei auch in den Ozeanen bereits "beispiellose Übersäuerung" festgestellt worden. Der Säuregehalt der Ozeane befinde sich auf dem höchsten Stand seit mindestens 300 Millionen Jahren. Das heißt: "Wir wissen mit Sicherheit, dass sich das Klima wandelt und die meteorologischen Bedingungen wegen des menschlichen Verhaltens immer extremer werden", fasste Jarraud zusammen.

Auswirkungen dieser Entwicklung werden bereits jetzt allerorten festgestellt. Ein Überblick über die unterschiedlichsten Untersuchungen und Berichte der jüngsten Zeit:

  • Mehr Waldbrände Schon jetzt ist die Zunahme von Feuersbrünsten auffällig. Doch durch den Klimawandel wird es bis Ende dieses Jahrhunderts zu einem dramatischen Anstieg der Schäden durch Waldbrände in Europa kommen. Das zeigt eine Studie des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien, die im Fachjournal Regional Environmental Change veröffentlicht wurde. Bereits im Jahr 2012 wurden in den am stärksten betroffenen EU-Ländern Portugal, Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland rund 520.000 Hektar Wald durch Feuer zerstört, wie aus der jährlich vom Joint Research Center (JRC) der EU herausgegebenen Waldbrandstatistik hervorgeht. Das ist in etwa die doppelte Fläche Vorarlbergs. Klimawandel, höhere Temperaturen und längere Trockenperioden werden aber die europäischen Wälder noch anfälliger für Feuer machen. Die Wissenschafter rechnen damit, dass die durch Waldbrände zerstörte Fläche in Europa bis 2090 um 200 Prozent zunehmen wird.

  • Weltweite Dürre Von Mittelamerika bis China: Weltweit haben Dürren große Landstriche ausgetrocknet. In Chinas Nordosten etwa ist die Trinkwasserversorgung für Hunderttausende gefährdet. Allein in der Provinz um Peking haben laut Behörden mehr als 100.000 Menschen nur noch eingeschränkten Zugang zu Trinkwasser. Wegen der schwersten Dürre seit Jahrzehnten in Mittelamerika bat Guatemalas Präsident Otto Perez kürzlich die internationale Gemeinschaft um Hilfe. In einigen Ländern Mittelamerikas wie Nicaragua und Venezuela vernichte eine Dürre zurzeit in weiten Gebieten 25 bis 40 Prozent der Ernte, berichtete Ende August der Dürre-Experte bei der UN-Ernährungsorganisation FAO, Oscar Rojas. In besonders betroffenen Regionen seien es über 80 Prozent.

  • Rekordschmelze in der Arktis Die Eisschilde in Grönland und der Antarktis schmelzen nach Satellitenmessungen im Rekordtempo. Pro Jahr verlieren sie zusammen aktuell etwa 500 Kubikkilometer Volumen, wie die jüngste Auswertung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven ergab. Das sei die höchste Verlustrate seit Beginn der Satelliten-Höhenmessungen vor 20 Jahren, schreiben die Forscher in der Zeitschrift The Cryosphere. Seit 2009 habe sich der jährliche Eisverlust in der Westantarktis verdreifacht und in Grönland verdoppelt.

  • Gletscherschwund in Afrika Auch in Afrika verschwinden die Gletscher. Am Mount Kenia etwa sind bereits acht der ursprünglich 18 Gletscher verschwunden. Eine Studie aus dem Jahr 2011 zeigt, dass der Lewis-Gletscher - der größte noch verbliebene - seit 1934 etwa 90 Prozent seines Volumens eingebüßt hat. Als deutsche Forscher 1880 die Eiskappe des Kilimandscharo vermaßen, war sie 20 Quadratkilometer groß. 2009 waren auf Afrikas höchstem Berg (5895 Meter) nur noch weniger als zwei Quadratkilometer Eis.Nach Angaben des Weltklimarats IPCC schmelzen derzeit in allen Weltregionen Gletscher ab, besonders schnell unter anderem in den USA, Westkanada und Mitteleuropa. Zudem nehme die Geschwindigkeit der Gletscherschmelze insgesamt zu.

Verhandlungsreigen

Für Ende September hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon einen Sondergipfel zu Klimaschutz in New York einberufen. Dort soll allerdings offiziell nichts beschlossen werden. Von den Staatschefs hat bereits der indische Premierminister Narendra Modi abgesagt, der chinesische Staatspräsident Xi Jinping und Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenso. Die nächste UN-Klimakonferenz findet dann von 1. bis 12. Dezember in Lima statt.

Konkrete Hoffnungen werden allerdings erst auf das UN-Treffen Ende 2015 in Paris gerichtet. Dort soll ein Weltklimavertrag ausgehandelt werden, der ab 2020 in Kraft treten soll. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 29.9.2014)

  • In Guatemala verzweifeln die Landwirte angesichts der massiven Dürre.
    epa/martìnez

    In Guatemala verzweifeln die Landwirte angesichts der massiven Dürre.

Share if you care.