Elektroautos zum Teilen können Gemeindeleben verbessern

23. September 2014, 17:03
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Das Beispiel der Mobilitätscard Krenglbach zeigt, dass alternative Mobilitätsangebote auch Auswirkungen auf das soziale Gemeindeleben haben können

Krenglbach/Wien - "In Krenglbach heißen gefühlte zehn Prozent der Einwohner Kraxberger", lächelt Norbert Rainer. Kein Wunder also, dass all die Kraxbergers und deren Verwandte und Freunde und Nachbarn ihn sehr rasch ins Herz geschlossen hatten: den neuen "Kraxi"-Bus.

Dieses Anruf-Sammeltaxi ist Teil der Mobilitätsinitiative "Mobilcard Krenglbach", die Norbert Rainer und sein Bruder Gerhard vor gut einem Jahr im oberösterreichischen Krenglbach ins Leben gerufen haben.

Zwei Elektroautos zum Teilen

Mit dieser Mobilitätscard können die Krenglbacher nun entweder das Kraxi-Taxi nützen - oder aber auch gegebenenfalls ein Auto direkt ausborgen: Im E-Sharing-Fuhrpark gibt es zwei Elektroautos: Einen Renault Zoe für Ausflüge oder Besorgungen - oder einen Kangoo mit großzügigem Laderaum für größere Transporte.

Das Besondere an diesem ländlichen Mobilitätsangebot ist aber, dass es im Grunde auch ein ökosoziales Projekt sei, wie Rainer diese Woche in Wien erläuterte: "Das geht im Grunde auch schon in Richtung Postwachstum mit mehr Lebensqualität."

Eine sehr zersiedelte Gemeinde

Denn Krenglbach sei eine sehr zersiedelte Gemeinde - die aber immer noch einen funktionierenden Ortskern hat, wo die Güter des täglichen Bedarfes besorgt werden können. "Mit dem Kraxi schaffen wir es nun, dass auch alte oder nicht mobile Menschen wieder diesen Ortskern oder auch den Bahnhof erreichen können, die vorher isoliert waren."

Identitätsstiftend war überdies nicht nur die Kraxi-Benennung. Auch die Elektroautos tragen bereits Namen: "El Flitzi" und "El Maxi" wurden sie von den Kindern der Volksschule getauft.

1488 "Kraxi"-Fahrten

Die Erfolgsstatistik: Kraxi absolvierte im ersten Jahr 1488 Fahrten und beförderte 3000 Personen. Die Elektroautos wurden in diesem Zeitraum für mehr als 27.000 Kilometer ausgeborgt. Aufgeladen werden sie übrigens mit Ökostrom. Eine Kraxi-Mitgliedschaft kostet 5,50 Euro, eine Vollmitgliedschaft mit E-Sharing elf Euro. Beim Autoteilen sind dann noch pro Kilometer zehn Cent und pro Stunde 50 Cent zu bezahlen.

Die Mobilitätscard Krenglbach ist eines von 20 Beispielen, die vom ökosozialen Forum im Leitfaden "Ökosozialer Mobilitätskompass" angeführt werden. Die konkreten Initiativen sollen Alternativen für eine nachhaltige Mobilität aufzeigen.

Raumplanung bestimmt die Mobilität

Zwei wichtige Voraussetzungen: "Das Mobilitätsverhalten wird bereits von der Raumplanung bestimmt", wie NÖ-Landesrat Stephan Pernkopf als Präsident des ökosozialen Forums bei der Präsentation des Folders betonte. "Ob beispielsweise Baugründe nahe dem Bahnhof erschlossen werden - oder auf der anderen Seite des Ortes. Projekte wie diese würden das Thema Verkehr entemotionalisieren, erklärte auch Vizepräsidentin Monika Langthaler. Denn "Mobilität beginnt im Kopf". (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 20.9.2014)

Links

Mobilcard Krenglbach

Download der Broschüre: oekosozial.at

  • Auch im ländlichen Raum muss Mobilität nicht Autobesitz bedeuten.  E-Sharing in Krenglbach: Für Transporte steht der Renault Kangoo "El  Maxi" zur Verfügung - für andere Ausfahrten der Renault Zoe, auch "El  Flitzi" genannt.
    foto: gerhard rainer

    Auch im ländlichen Raum muss Mobilität nicht Autobesitz bedeuten. E-Sharing in Krenglbach: Für Transporte steht der Renault Kangoo "El Maxi" zur Verfügung - für andere Ausfahrten der Renault Zoe, auch "El Flitzi" genannt.

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