Die Türkei und der "Islamische Staat": Stunde der Wahrheit

Kommentar21. September 2014, 17:07
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Die von der IS gehaltenen türkischen Geiseln sind wieder frei und die Türkei wird mehr gegen die Gerüchte tun müssen, dass sie sich nicht nur nicht mit der IS anlegen will.

Ankara hat seine Zurückhaltung der Anti-IS-Allianz gegenüber mit der Sorge um die vom "Islamischen Staat" (IS) gehaltenen türkischen Geiseln begründet: Nun, da diese wieder frei sind, wird die Türkei mehr gegen die hartnäckigen Gerüchte tun können und müssen, dass sie sich nicht nur nicht mit der IS anlegen will, sondern einigen Entwicklungen sogar etwas abgewinnen kann.

Dazu gehört die Zerschlagung der kurdischen Selbstverwaltung im syrischen Grenzgebiet zur Türkei durch den Vormarsch der IS. Die zuvor dort regierende PYD (Partei der Demokratischen Union) ist die Schwesterpartei der PKK. Die Türkei beobachtete das selbsterklärte autonome PYD-Gebiet stets mit Argusaugen - aber hat nun, nach dessen vorläufigem Ende, mit zehntausenden kurdisch-syrischen Flüchtlingen das Problem direkt im eigenen Land.

Das könnte den türkischen Plänen für eine Pufferzone - auf syrischem Gebiet, dort sollen auch die Flüchtlinge hin - neuen Impuls verleihen. Der Quarantänestreifen, ursprünglich gegen das Assad-Regime gedacht, wäre auch gegen IS und die PYD nützlich. Aber es wäre ein direkter Eingriff in den syrischen Konflikt: Deshalb wird erwartet, dass Recep Tayyip Erdogan - erstmals als Präsident bei der Uno-Vollversammlung in New York - dafür um internationale Unterstützung, vielleicht sogar ein Sicherheitsratsmandat, werben wird. Er könnte es bekommen, im Tausch gegen Ankaras Beitritt zur US-Allianz gegen die IS. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 22.9.2014)

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