Israelisches Unternehmen plant Abschleppdienst im Weltall

21. September 2014, 15:30
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Mikro-"Rettungssatelliten" sollen Funktionsdauer von Kommunikationssatelliten verlängern und mögliche Kursfehler korrigieren können

Tel Aviv - Ein israelisches Startup-Unternehmen will in etwa zwei Jahren einen Abschleppdienst im Weltall starten. Die Mikrosatelliten der Firma "Effective Space Solutions" sollen die Nutzdauer von Kommunikationssatelliten verlängern und insbesondere zur Positionskorrektur bei künstlichen Trabanten eingesetzt werden, die in eine falsche Umlaufbahn geraten sind.

Wie die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtet, sollen die ersten Rettungssatelliten Ende 2016 oder Anfang 2017 ihren Dienst aufnehmen. Gründer des Projekts ist der Raumfahrtexperte Arie Halsband, der seit Jahrzehnten für die israelische Rüstungsindustrie Raumfahrtprojekte geleitet hat und von 2006 bis 2011 die Satellitensparte des größten israelischen Luftfahrtunternehmens IAI leitete. Mit Risikokapital entwickelte das Startup nun ihren "DeOrbiter" genannten Abschleppsatelliten bis zur Produktionsreife. Dieser wiegt beim Start nur 250 Kilogramm, etwa ein Zehntel der meisten Telekommunikationssatelliten.

Hilfsdienste für acht bis 20 Satelliten

Die Mikrosatelliten sollen an Bord von größeren Geräten ins All transportiert werden und danach jeweils acht bis 20 anderen künstlichen Erdtrabanten Hilfsdienste leisten. So bot Halsband Ende August den Betreibern des europäischen Navigationssystems Galileo künftige Unterstützung an, nachdem zwei Satelliten aufgrund eines Defekts der Trägerrakete in einer viel zu niedrigen Umlaufbahn ausgesetzt wurden.

Die Idee, Rettungsdienste im All anzubieten, wird seit der Jahrtausendwende auch in anderen Ländern erforscht; eine kommerziellen Erfolg versprechende Lösung kam dabei aber noch nicht heraus.

3,5 Milliarden Dollar jährlich

Wirtschaftliche Grundlage des israelischen Ansatzes soll sein, dass jeder DeOrbiter einer größeren Zahl von Satelliten die Lebensdauer verlängern kann, was für die Betreiber enorm profitabel wäre. Diese müssen nämlich bis zum Ende der erwarteten Satellitenlebensdauer eine bestimmte Menge Eigentreibstoff in Reserve halten, um damit den von der UNO vorgeschriebenen "Junk-Orbit" - eine Art Friedhof für ausgediente Geräte - erreichen zu können.

Derzeit umkreisen laut Halsband 300 zivil genutzte Satelliten die Erde in geostationären Bahnen; rund 20 erreichen jedes Jahr das Ende ihrer Einsatzzeit. Würde sein Unternehmen deren Funktionszeit um neun bis zwölf Monate verlängern, bevor sie den erdferneren Friedhof im All ansteuern müssen, erzielte die Branche jährlich rund 3,5 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) Mehreinnahmen, so Halsband. (APA/red, derStandard.at, 21.9.2014)

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