Digitalisierung erhöht Druck auf Arbeitsmarkt

21. September 2014, 13:29
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EU-Direktor Detlef Eckert wünscht sich mobilere Arbeitskräfte und hält mehr Kreativität für dringend nötig

Wien - Laut EU-Kommission muss Europa neben Einwanderung auf höhere Mobilität der Arbeitskräfte setzen. Im neuen Bericht Wirtschaftsmigration und Bedürfnisse des Arbeitsmarkts aufeinander abstimmen wird ein Szenario entworfen, nachdem die erwerbsfähige Bevölkerung bis 2020 um bis zu 11,7 Millionen Menschen schrumpfen könnte. "Engpässe an qualifizierten Arbeitskräften und Missverhältnisse zwischen Qualifikationsangebot und -nachfrage" würden dann zu zentralen Fragen.

Für Detlef Eckert, Direktor für Beschäftigungspolitik in der EU-Kommission, muss in diesem Sinne "Mobilität von der Ausnahme zum Normalfall werden, nicht nur für den Softwareingenieur, sondern auch für eine Modeverkäuferin", sagt er im Gespräch mit dem Standard. Darüber hinaus gelte es, stärker den Fokus auf lebenslanges Lernen und Bildungsangebote für alle zu richten, so Eckert bei einem Wienbesuch anlässlich der 20-Jahr-Feier des Arbeitsmarktservices.

Österreich tue auch gut daran, die niedrige Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer in Angriff zu nehmen. "Österreich hat hier relativ gesehen eine der größten Problemgruppen in Europa", erinnert Eckert. Neben dem demografischen Wandel und der Globalisierung werde aber ohnedies die Digitalisierung den Anpassungsdruck am Arbeitsmarkt erhöhen.

Was die Wettbewerbsfähigkeit betrifft, so hält er Diskussionen um eine sechste Urlaubswoche oder längere Tagesarbeitszeiten in diesem Zusammenhang für vergleichsweise nebensächlich. "Ich glaube, das ist nicht entscheidend für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Wenn man auf einem hohen Lebensstandard wie Österreich ist, kann man sich auch etwas leisten und den Arbeitnehmern hoffentlich viel gönnen." Das Problem sieht er ganz woanders. "Wir müssen dringend im Arbeitsleben die Kreativität steigern. Es geht darum, wie flexibel und innovativ wir sind." (rebu, STANDARD, 22.9.2014)

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