Jihadisten rücken auf syrische Kurden-Stadt vor

21. September 2014, 13:01
15 Postings

70.000 kurdische Syrer binnen 24 Stunden in Türkei geflohen

Damaskus - Die Kämpfer der Jihadistenorganisation "Islamischer Staat" (IS) sind laut Aktivisten in den syrischen Kurdengebieten weiter auf die Stadt Ayn al-Arab vorgerückt. Die IS-Milizionäre hätten sich der Stadt an der Grenze zur Türkei mit einst 50.000 Einwohnern bis auf ein Dutzend Kilometer genähert, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, am Sonntag.

In die Türkei geflüchtete Kurden berichteten der Nachrichtenagentur AFP unterdessen von Exekutionen in den vom IS eroberten Gebieten.

Mehr als 60 Dörfer erobert

Bei ihrer Offensive haben die IS-Kämpfer der Beobachtungsstelle zufolge seit Donnerstag mehr als 60 Dörfer erobert. Seit Dienstag seien 27 kurdische Kämpfer und 39 Jihadisten bei Gefechten getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Demnach stammen die getöteten IS-Milizionäre überwiegend aus der russischen Region Tschetschenien und den arabischen Golf-Staaten. Mindestens elf Menschen seien von IS-Angehörigen exekutiert worden. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien, deren Angaben nicht unmittelbar unabhängig überprüft werden können.

70.000 Flüchtlinge

Der IS-Vormarsch im Norden Syriens löste einen regelrechten Exodus aus. Binnen 24 Stunden flohen etwa 70.000 Kurden in die Türkei, wie das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) am Sonntag mitteilte. Die türkische Regierung bezifferte die Zahl der seit Donnerstag ins Land gekommenen Flüchtlinge am Samstag auf mehr als 60.000. Das Land stellt sich auf einen möglichen Ansturm von Hunderttausenden Flüchtlingen ein.

Das UNHCR kündigte eine Aufstockung seiner Hilfen für die zahlreichen Flüchtlinge in der Türkei an. Die türkische Regierung arbeite mit Unterstützung des UNHCR am Aufbau von zwei neuen Flüchtlingscamps. In der Türkei haben seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs schon fast 1,5 Millionen Menschen Zuflucht gesucht. Die UNO-Organisation teilte weiter mit, während des Bürgerkrieges hätten bis zu 200.000 syrische Flüchtlinge aus anderen Landesteilen in Ayn al-Arab (Kurdisch: Kobane) Zuflucht gesucht, weil die Stadt relativ sicher war.

USA warnen vor Gruppe Khorasan

Die US-Geheimdienste warnen indes nach dem Vormarsch der Terrormiliz IS vor dem Erstarken der noch nahezu unbekannten Jihadistengruppe Khorasan. Die im Vorjahr in Syrien gegründete Miliz werde von Muhsin al-Fadhli (33), einem der engsten Vertrauten des getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden, angeführt, schrieb die "New York Times" am Sonntag unter Berufung auf Geheimdienste.

Die Terrorgruppe könnte größte Absicht haben, Anschläge in den Vereinigten Staaten oder auf US-Einrichtungen im Ausland zu verüben. "Was die Bedrohung unseres Vaterlandes angeht, könnte Khorasan ebenso gefährlich werden wie der Islamische Staat", sagte der Direktor des Nationalen Geheimdienstes, James R. Clapper dem Blatt. Die Gruppe setzt sich nach Geheimdienstangaben aus Al-Kaida-Mitgliedern aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Südasien zusammen.

Nachdem Syrien seit 2011 immer tiefer in einen Bürgerkrieg abglitt, kamen selbst ernannte Gotteskrieger aus aller Welt in das Land. Sie gründeten eine Vielzahl radikaler und militanter islamistischer Gruppen und Milizen. Stärkste Gruppe ist neben der in Syrien und im Irak operierenden IS-Terrormiliz die Al-Kaida nahestehende Al-Nusra-Front. (APA, 21.9.2014)

Share if you care.