Armenhaus und Weltherrschaft

Kolumne20. September 2014, 21:53
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Und ewig bockt das Weib

Die Weltherrschaft ist erklärtes Ziel von Generationen Größenwahnsinniger. Wer sich bis jetzt auf dem Weg zum Großen Diktator etwas schwertat, kann der FPÖ und ihrem Propheten Gudenus nun aus ganzem Herzen Dank aussprechen. Hat dieser - vermutlich wieder aus reiner Nächstenliebe - doch wichtigste Tipps enthüllt, die bis jetzt im großen Dunkel von den Machthungrigen vor den Augen der Welt verschleiert worden sind. Keine Schleiereiertänze mehr. Es ist vorbei. Das Geheimnis, wie man zur weltumspannenden Kontrolle kommt, ist endgültig für alle zugänglich geworden. Nebenbei, quasi im Umdrehen der heilenden Hand, wurde auch eine der großen Geißeln der Menschheit dingfest gemacht: neben Pest und Cholera definitiv der Feminismus.

Frauenhäuser zerstören die heile Familie. Das hatten wir aber schon. Schnee von gestern quasi. Die neue Erkenntnis der freiheitlichen Arbeitnehmer Niederösterreichs ist, dass Feminismus egoistisch macht. Nun ja. Was wieder zu Familienzerstörung führt. Ein übler weiblicher Circulus vitiosus. Was bei Frauen übrigens egoistisch genannt wird, heißt bei Männern der Wille zur Macht. Der herbeigeunkte Zerfall der Familie: eine Folge der Gleichberechtigung. Wieso eigentlich weder Schweden noch Norwegen bis jetzt ausgestorben sind, wurde bedauerlicherweise nicht beantwortet. Feminismus ist aber nicht der Hauptfeind. Er macht die Gesellschaft zwar anfällig, aber laut Gudenus erreicht man die totale Massenkontrolle ohnehin nur über den Umweg der perfide medienunterwandernden Homosexuellenlobbies.

Kein Hahn kräht mehr nach den Illuminaten. Endlich ist klar, wer die Welt letztlich in seinen Klauen hält: die Homosexuellen. Und Putin ist so betrachtet ein einsamer Kämpfer auf verlorener Front, der Kopf und Kragen riskiert, um sich dieser machtgeilen wollüstigen Bande entgegen zu stellen. Viele Herrschaftswillige haben einfach fast alles falsch gemacht. Nur wer rechtzeitig in die geheimen Zirkel der Lesben und Schwulen vordringt, hat eine Chance.

Das riecht ein bisschen nach kollektiver FPÖ-Verdrängung der Buberlpartie und wie sie an die Macht kam. Gudenus sollte sich also sputen, wenn es noch was werden soll mit der Eroberung der Welt. Back to the roots ist aber innerhalb der blauen Partei - obwohl sie traditionell sein möchte - offensichtlich nicht angesagt. Was mit jenen passieren soll, die gar keine Chance mehr haben, erfahren wir dafür offenherzig von Herrn Hagen aus dem Team Stronach: wozu eine gleichberechtigte Gesellschaft, die auf der Würde des Einzelnen aufbaut, wenn man doch auch einfach wieder Armenhäuser einführen kann. (Julya Rabinowich, DER STANDARD, 20./21.9.2014)

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